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Scharfe Sachen für große HeldenDas Deutsche Klingenmuseum in Solingen zeigt Blankwaffen, Messer und mehr
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Fränkisches Schwert um 1000 n. Chr. im Deutschen Klingenmuseum.
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Wer vor langer Zeit ein Held war oder einer werden wollte, der brauchte ein Schwert an seiner Seite. König Artus hatte Excalibur, um das noch in der Neuzeit Geschichten erdichtet und Filme gedreht wurden, und Siegfried von den Nibelungen hatte Notung, auch so eine Waffe der besonderen Art. Der Mythos dieses Blankwaffentyps wurde Jahrhunderte lang mit kernigen Sätzen gepflegt: „Im Feuer geboren, im Wasser geweiht“ war ein Sinnspruch, der das Schwertschmieden auf zwei Wortpaare brachte, und die Androhung eines Mächtigen, sich „mit Feuer und Schwert“ einer Sache anzunehmen, ließ ein Blutvergießen erwarten.
Natürlich finden Held und Schwert so einfach nicht zusammen. Das hat damit zu tun, dass Heldengeschichten spannend sein sollen, der Held also schon auf seinem Weg zum Abenteuer Schwierigkeiten zu meistern hat. Wie es sich mit Siegfried und Notung verhielt, hat Richard Wagner folgendermaßen erzählt: Da ist der Schmied Mime, dem der elternlose Siegfried zugelaufen ist, und dieser Mime, der sich als Zwerg mit Metallen auskennt, will dem Bub fürs Erwachsenwerden eine Waffe schenken; das Schwert aber will nicht gelingen, genauer gesagt: der Kleine haut jede Waffe, die Mime zuwege bringt, in tausend Fetzen. Natürlich gibt es eine Lösung, und auf die verlegt sich Mime nach einigem Zögern: in der Schrottkiste hat er nämlich das Schwert von Siegfrieds verstorbenem Vater, das ist zwar zerbrochen, kann aber repariert werden - von jemand, der keine Furcht kennt! So vertraut es Götterchef Wotan den Beteiligten und den Zuschauern an, als er bei seinen Wanderungen durch die Welt auf der Bühne vorbeikommt.
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Erst mit einem Schwert ist der Held komplett fürs Abenteuer |
Sie haben, lieber Leser, schon geahnt, wie es weitergeht: Klar ist nämlich, dass Mime das Schwert nie wird zustande bringen, eben weil er ein Hasenfuß und kein Held ist, und klar ist auch, dass nur Siegfried diese Rolle einnehmen kann (schließlich ist er als einziger übrig). Also begibt er sich höchstselbst an die Esse, und prompt gelingt ihm das Meisterstück mit Namen Notung (was Regisseure gerne dadurch in Szene setzen, dass der nun herangereifte Bub beim anschließenden Warentest Mimes Amboss in Fetzen haut). Damit ist er als Anwärter aufs Heldentum komplett ausstaffiert, und das Abenteuer kann beginnen. |
Das Schwert war die große Neuerung der Bronzezeit
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Das Schwert war die entscheidende waffentechnische Neuerung, die mit der Bronzezeit in die Welt kam. Denn aus dem irdenen Material der Steinzeit hatten sich niemals lange Klingen fertigen lassen, und letztendlich war erst Stahl das Material, das einerseits ausreichend fest war, um sich zu einer scharfen und haltbaren Schneide schleifen zu lassen, das andererseits aber ausreichend Elastizität mitbrachte, um harte Schläge und Stöße auszuhalten und sich nicht bei jedem Hieb Beulen und Scharten einzufangen. |
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Lange dauerte es, bis die Experten die Technik des Schmiedens im Griff hatten. Um nämlich Eisen in Stahl umzuwandeln, muss man seine innere Struktur verändern, und das gelingt nur in einem ausgefuchsten Prozess von Erwärmen, Hämmern und Abkühlen. Dabei müssen jeweils exakte Temperaturen erreicht, exakte Zeiten eingehalten und muss das alles mehrmals wiederholt werden. |
Mythenreiche Kunst der Schmiede
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Kein Wunder, dass die geheimnisvolle Kunst des Schmiedens von Anfang an reich mit Mythen garniert war. Geht sie doch in einer meist finsteren Werkstatt am Feuer vor sich, und konnte man in der Frühzeit die Schmiede dabei seltsame Sprüche murmeln hören. Das waren jedoch vermutlich weniger Beschwörungsformeln als vielmehr rhythmisch gesprochene Verse, anhand derer das Vergehen von Zeit abgezählt wurde. Das jedenfalls vermutet Dirk Raabe in seinem Buch „Morde, Macht, Moneten“ (Wiley-VCH, 2001, 16,90 Euo), in dem ein lesenswerter Streifzug durch die Kulturgeschichte der Metalle angestellt wird. |
Das Umformen der Metalle war nahe an der Hexerei |
Anlass zum Glauben an Hexenzauber gaben aber auch die Materialien, die da in mancher Esse zum Einsatz kamen. Zum Abschrecken des heißen Metalls benutzten Schmiede gelegentlich frisches Ochsenblut mit Hühnerdung, und von Wieland, dem Schmied aus den germanischen Heldensagen, wird berichtet, dass er Eisenspäne an seine Hühner verfütterte, danach das Metall aus dem Kot des Federviehs wieder herausholte und schließlich daraus Meisterschwerter wie Mimung schmiedete. Moderne Versuche haben ermittelt, dass dieses Verfahren einen wahren Kern hat: Hühnerdung kann eine Stickstoffanreicherung und eine Entschlackung im Metall bewirken, was sich in Sachen Härte und Festigkeit positiv auswirkt.
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 Beim Degen wird auch der Griff prachtvoll gestaltet.
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Wohl eher dichterische Erfindungen sind jene Anekdoten über das antike Rom oder die japanische Feudalzeit: es heißt, dort hätte man manches Schwert zwecks Härten einem Verurteilten glühend in den Leib gestoßen - bei diesem Verfahren wären, nüchtern gesprochen, Temperatur und Verbleibzeit wohl eher ungeeignet für das Erreichen der gewünschten Ziele gewesen.
Unendliche Geschichten gäbe es über die Schwertmoden und die Kampftechniken der Jahrhunderte zu berichten. Verweisen wir hier nur auf das Deutsche Klingenmuseum in Solingen, das nicht nur eine Fülle an außergewöhnlichen Stücken ausstellt, sondern auch genauere Informationen gibt etwa zu den Unterschieden zwischen Schwert, Degen und Säbel, detailliert die alte Schmiedetechnik beschreibt, außerdem die Rolle der Blankwaffen für das Rittertum darstellt und auch noch die Kulturgeschichte von Messer und Besteck behandelt. |
Aufkommen der Feuerwaffen |
Mit dem Aufkommen der Feuerwaffen kam das Schwert außer Gebrauch, auch wenn es sich noch lange in Mode, Traditionen und Mythen hielt. Fröhliche Urständ feiert es in einer Neon-Variante in der modernen Zukunftssaga „Krieg der Sterne“. Auch jüngst im Irakkrieg wurde zumindest die Bezeichnung wieder entdeckt: Die US-Truppen brachten eine neue Waffe mit der Abkürzung „Swords“ (Special Weapons Observation Reconnaissance Detection System) zum Einsatz, die eine Art Roboter auf Laufketten ist und bei Bombenentschärfung oder Minensuche ferngesteuert losgeschickt wird und mit einem Maschinengewehr ausgestattet ist. |
Hauschwert der Sachsen, „Sax“ genannt |
Zur Erinnerung: Der einfache Krieger aus jenem Germanenvolk, das ehedem im Süden der späteren DDR siedelte und einen grauslichen Dialekt spricht, benutzte im Kampf ein Hauschwert, bei dem nur eine Seite der Klinge geschärft war. „Sax“ war der Name dieser speziellen Waffe, und davon soll sich der Name jenes streitbaren Völkchens ableiten. Als viele hundert Jahre später dann die Nachfahren jener Sachsen wieder über die Straßen zogen, diesmal gegen ihre eigene Regierung, hatten manchen von ihnen den Spruch „Schwerter zu Pflugscharen“ dabei. |
| Schwerter zu Pflugscharen |
Dieser Sinnspruch um das Schwert stammt aus der Bibel, nämlich vom Propheten Micha, und lautet komplett so: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“
Schöne neue Welt.
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Deutsches Klingenmuseum Klosterhof 4, 42653 Solingen.
Buslinie 683 von Solingen-Zentrum (Richtung Vohwinkel) oder Wuppertal-Vohwinkel (Richtung Solingen) Haltestelle Klingenmuseum. |
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