home suche kontakt impressum
 

Mit Stahl, Stein und Zunderschwamm

Die Beherrschung des Feuers war eine Voraussetzung für das Zeitalter der Metalle



Bevor die Elektrizität nutzbar gemacht wurde, waren Licht und Wärme immer mit Feuer und folglich auch mit Brandgefahr verbunden.





Erst die Beherrschung des Feuers ist es, die in den alten Mythen den Mensch zum Menschen macht. Leicht nachzuvollziehen ist, dass Flammen, da sie Licht und Wärme spenden, als Gottesgabe verstanden wurden, was man zum Beispiel im Alten Testament daran sieht, dass der Himmlische sich gern im brennenden Dornbusch zeigt. Mit der Hölle in Verbindung gebracht wurde das Feuer erst im Christentum.

Das Feuer zu besitzen und damit umgehen zu können, war eine Eigenschaft, die, als Aspekt der Allmacht auch über die geheimnisvollen Kräfte der Natur, die Götter von den Menschen unterschied. Also brauchte es besondere Mythen, der beschrieben, wie das Feuer überhaupt in die Gewalt der Menschen geraten war. Die Griechen hatten Prometheus, der es im Himmel gestohlen hatte und es den Menschen überließ. Die Strafe, die er dafür zu erleiden hatte, war wahrhaft grausam.

Der Kult um Zarathustra zeichnete sich dadurch aus, dass in seinen Tempeln ewige Feuer brannten, was seinen Anhängern den Namen „Feueranbeter“ einbrachte. Die Römer verehrten die Vesta als Göttin des Herdfeuers.
Feuermachen ist eine
tagtägliche Mühe...
Wirklich bequem zu Feuer und Flamme zu kommen wissen die Menschen erst seit der Neuzeit, nämlich seit es Streichholz und Feuerzeug gibt. Zuvor war das Anzünden etwa des Herdfeuers eine tägliche Übung, die mitunter nur mit großer Mühe gelang. Peter Rosegger, der Waldbauernbub, beschreibt eine Szene im 1900, wo seiner Mutter - vermutlich im Winter - über Nacht die Glut im Küchenherd ausgegangen war. Es ist ein Jammer zu lesen, wie die arme Frau versucht, Funken zu schlagen, schließlich mit malträtierten Fingern entnervt aufgibt und den Bub mit der Bitte „um ein Haferl Glut“ zur Nachbarin schickt.
... besonders im Dunkeln

Wohlgemerkt: Die Szene spielt sich im Dunkeln ab, weil erst mit der Flamme ein Licht entzündet werden konnte, etwa in Form einer Kerze, nicht per Lichtschalter...
Feuerbohren nutzt die Reibungsenergie

Aus dem Dunkel der frühen Menschheitsgeschichte stammt die vermutlich älteste Methode, Feuer zu machen, das so genannte Feuerbohren. Bei ihm werden zwei Holzstücke gegeneinander gerieben. Sie müssen knochentrocken sein, folglich wurde diese Methode vermutlich in warmen Regionen erfunden. Eingeweihte behaupten, dass es ganz gut gelingt, sofern man das richtige Holz, ausreichend Geduld und nicht wenig Geschick mitbringt.
Mit zwei Feuersteinen kriegt man kein Feuer zustande,...

Hingegen zwei Feuersteine gegeneinander zu schlagen, führt nicht zum Erfolg. Zwar entstehen dabei Funken, jedoch sind diese zu kalt und zu kurzlebig, als dass sie sich zu einer Flamme auswachsen würden.
... jedoch mit einem Feuerstein und einem Pyrit gelingt es

Was man braucht, ist ein Feuerstein und ein Brocken Schwefel- oder Eisenkies, auch Pyrit genannt. Damit geht es richtig gut, sofern man bestimmte Regeln befolgt: In der einen Hand hält man die Pyritknolle, auf die man von oben mit dem Feuerstein schlägt. Dabei spritzen die Funken nach unten weg, so dass man sie mit Zunder auffangen kann. Der Feuerstein ist dabei sozusagen „Hammer“ und die Pyritknolle „Amboss“. Deshalb sollte man die beiden nicht vertauschen.
 
Wie man es richtig macht, wusste wohl schon unser Ötzi, der Gletschermann, der irgendwann um 3100 v. Chr. ins Gefrierfach geraten war. Er trug nämlich beide Steine in einem Lederbeutel an der Hüfte mit sich, und die Wissenschaftler meinen, dass es sich dabei um eine Art „steinzeitliches Feuerzeug“ handelte.

Der Zunderschwamm ist leicht mit anderen Baumpilzen zu verwechseln.


Am besten aber geht das Feuermachen mit Feuerstein und Stahlstab, schreibt Horst Brunner in seinem Buch „Feuer und Feuerschlagmesser“ (Huber Verlag, 1998, 19,90 Euro). Geschlagen wird hier mit dem Stahl von oben auf den Stein, den man mitsamt dem Zunder in der Hand hält. Dabei werden aus dem Stahl winzige Partikel herausgerissen, denn der Stein ist noch härter als das Metall. Diese Partikel sprühen als sehr energiereiche Funken weg und entzünden den Zunder.

Umgekehrt geht die Sache auch, also indem man mit dem Stein auf den Stahl schlägt. Das aber ist etwas komplizierter zu handhaben. Der Merksatz für die bessere Methode ist in einem alten Reim enthalten: „Kein Feuer würd’ auf Erden sein / schlüg’ nicht der Stahl den Kieselstein“. Hingegen metaphorisch gemeint ist der Satz: „Ein alter Stahl schlägt keine Funken“.
Den Zunder gewinnt man aus einem weit verbreiteten
Baumpilz

Ötzi wusste auch, dass dem Zunder eine besondere Rolle zukommt. Denn er hatte ihn ebenfalls bei sich. Zunder gewinnt man aus dem Zunderschwamm (Fomes fomentarius), einer auffälligen, bartähnliche Schwammart, die vor allem an absterbenden Baumstämmen wächst. Allerdings sind nur die oberen zwei bis vier Zentimeter mit gelbbrauner Farbe für das Zündeln geeignet, und ist der Pilz leicht mit ähnlichen, aber unbrauchbaren Arten zu verwechseln.
Zunder brennt nicht, aber
glimmt sehr stark

Dass der Zunder in Brand gerät, wie es das Wort „brennen wie Zunder“ verspricht, ist falsch. Denn das Pilzgewebe entwickelt keine Flamme, dafür aber ein sehr intensives Glimmen, auf das man unter vorsichtigem Anblasen feines Zeugs auflegen kann. Horst Brunner nennt in seinem Buch die hierfür am besten geeigneten Materialien: geklopfter Weidenbast, Distelwolle, Wolle des Wollgrases, Binsen- und Holundermark, Moose, Daunen und angekohlte Schafwolle...
Ein ganzer Wirtschaftszweig lieferte Stahl, Stein und Zunder fürs Feuermachen
Über Jahrtausende entwickelte sich ein ganzer Wirtschaftszweig, der die drei Materialien fürs Feuermachen lieferte: der Zunderschwamm wurde quasi in Plantagen forstwirtschaftlich erzeugt; als Stahl benutzte man die stumpfen Seiten von Messerklingen beziehungsweise Metallstäbe, die in Taschenmesser eingesetzt waren; Feuerstein (norddeutsch und englisch: „Flint“) hatten die Menschen seit jeher abgebaut, etwa am Lousberg in Aachen oder im bayerischen Arnhofen, wo es große Fundstellen gibt.
In der Flinte entzündet ein Feuerstein das Pulver
Eine letzte Hoch-Zeit erlebte der Feuerstein infolge eine Innovation in der Kriegstechnik des 17. Jahrhunderts: er fand Verwendung in der Flinte mit ihrem Steinschloss. Dort schlägt der Hammer des Abzugs auf den Flint, so dass Funken entstehen und die Pulverladung gezündet wird. Zuvor hatte man immer mit der Lunte hantieren müssen - nun wurde das Töten am laufenden Band möglich.
Soldaten haben einen Vorrat
an Feuerstein mit sich zu führen

Etwa zehn Schüsse konnte man mit einem Feuerstein auslösen. Dann musste ein neuer her, weshalb die Soldaten immer einen Vorrat mit sich zu führen hatten. Nicht jeder war in der Lage, sich wie der Baron Münchhausen zu behelfen: Als der an einem Teich voller Enten keinen Feuerstein bei sich hat, haut er sich mit aller Kraft auf ein Auge, so dass die Funken stieben und das Gewehr losgeht. Auf diese geniale Idee war er dadurch gekommen, dass er frühmorgens auf der Treppe gestürzt und mit dem anderen Auge gegen einen Türpfosten geprallt war.
Angeblich magische Kräfte
im Feuerstein 

Klar, dass die Altvorderen im Feuerstein, dem doch die Flammen innezuwohnen schienen, magische Kräfte vermuteten. Horst Brunner nennt in seinem Buch Beispiele: „So legte man zum Beispiel einer Wöchnerin als Schutz gegen böse Geister einen in weißes Tuch eingewickelten Feuerstein ins Bett ... Ein über der Stalltüre befestigter, durchlöcherter Feuerstein diente als Schutz gegen Hexen.“ Auch in der Tiermedizin griff man gern auf die Mitwirkung des Flintstones zurück: „Hatte eine Kuh einen geschwollenen Euter, so half das Melken durch das Loch des Feuersteins. Solche Steine wurden deshalb auch Kuhsteine genannt.“
 
Ötzi übrigens trug an seinem Gürtel nicht nur jenes steinerne „Feuerzeug“ mit sich sowie eine steinerne Dolchklinge, sondern auch schon eine Axt aus Kupfer. Das zeigt, dass bereits zu seiner Zeit die Menschen den Umgang mit dem Feuer im Griff und die Verhüttung der Metalle gelernt hatten. Das wiederum heißt, dass mit dem Gletschermann wir uns am Übergang von der Stein- zur Kupferzeit befinden. Damit war das Zeitalter der Metalle eingeläutet, das bis heute andauert.
 
Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht noch der Ausruf von Fred Feuerstein aus der Fernsehserie Familie Feuerstein: „Yabba-dabba doo.“
Mit Titeln wie „Faszination Feuer“ bieten Museen für Ur- und Frühgeschichte Vorführungen zum Feuerbohren und –schlagen, zum Beispiel das Eiszeitmuseum Bordesholm bei Neumünster oder das Museum für Ur- und Frühgeschichte in Hagen. Mit der Kehrseite der Flamme, nämlich Bränden und Brandbekämpfung, beschäftigen sich die Feuerwehrmuseen.  
  LINKS:

Wer mehr über Ötzi wissen will, wird auf den folgenden Seiten fündig:
Südtiroler Archäologiemuseum
Videos von den Ausgrabungen
Wie Ötzi zu Tode kam


Informationen zum Thema „Feuerstein“:
Überblick über die Gesteinsart
Steinzeitliche Feuerstein"industrie" in Aachen
Führungen durch das einstige Abbaugebiet



FÜR KINDER:
Steinzeit-Spiele
Steinzeit-Kleidung zum Basteln