  Lichtbogenofen in der Ausstellung.
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 Eine eigene Halle hat die Deutsche Arbeitsschutzausstellung (DASA) in Dortmund der Stahlkocherei gewidmet. „Tanz auf dem Vulkan“ und „Arbeiten am Höllenfeuer“ lauten die Schlagworte, und diese anschaulich umzusetzen ist den Ausstellungsmachern wirklich gelungen: Angepackt haben sie das weite Feld des Arbeitsschutzes nämlich nicht von der Seite der Vorschriften zur Unfallvermeidung. Vielmehr setzen sie auf sinnliches Erleben, und so erreicht die Schau auch ohne erhobenen Zeigefinger, dass der Besucher dem Thema „Arbeitsschutz“ seine Aufmerksamkeit schenkt.
Zum Beispiel am Lichtbogenofen, der 30 Jahre bei Hoesch in Dortmund in Betrieb war. Bevor er 1985 ausgemustert wurde, schmolz er mehr als fünf Millionen Tonnen Stahl aus Chargen von Schrott, Erz, Koks und Kalk. Wie ein Dinosaurier steht er jetzt in der Stahlhalle, besser: liegt er da, über und über bedeckt mit Russ, Dreck und einem Gewirr von Rohren, Leitungen und Gestänge. Im Betrieb erreichte der Lärm seiner elektrischen Entladungen über 100 Dezibel, das entspricht etwa dem Schalldruck direkt neben einem Presslufthammer. |
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| Ohrenbetäubende Explosionen |
Der Krach der Produktion begann damit, dass die Zutaten in den Ofen polterten, insgesamt etwa 70 Tonnen je Charge. Dann zündeten mit einem lauten Knall die Lichtbögen, schufen in 90 Minuten eine Temperatur von 1530 Grad, wirbelten Teile des Schrotts auf und ließen sie wieder herabfallen, rissen mit einer ohrenbetäubenden Explosion ab, um nur im nächsten Moment mit demselben Krach wieder zu zünden. Noch mehr Höllenradau entstand, wenn Sauerstoff in die Schmelze eingeblasen wurde, damit der Kohlenstoff dem Stahl entzogen wurde und sich als Kohlendioxidgas davonmachte. |
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| Tonnen von Staub in der Luft |
Zu dieser Lärmkulisse kam noch das Donnern der Absauganlagen, die den unvermeidlichen Verbrennungsstaub aus der Luft holen sollten. Bei einer Produktion von jährlich 21 000 Tonnen Stahl waren das immerhin 3150 Tonnen Staub im selben Zeitraum. Inzwischen gehen davon nur noch 200 Gramm pro Tonne in die Umgebung, was durch Einhausung der gesamten Anlage und eben die donnernde Ventilation erreicht wurde. |
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Für Kinder, die ohnehin ein Faible für Zahlen in der Dino-Größenordnung haben, kommt deshalb die Führung durch die DASA in der Stahlhalle zu einem Höhepunkt. Sie werden aufgefordert, einmal richtig und mit voller Kraft loszubrüllen - was die Lärmanzeige noch nicht mal in die Nähe des ehemaligen Normal-Geräuschpegels bringt.
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Infernalische Wärmestrahlung der Gluthitze im Ofen
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Eine andere Belastung an diesem Arbeitsplatz war die infernalische Wärmestrahlung aus dem Ofen, dessen großer Vorteil übrigens darin besteht, dass man damit auch kleine Chargen und solche mit besonderen Zusammensetzungen schmelzen kann. Erhebliche Gefahren brachte vor der Epoche der Automatisierung jedes Öffnen des Ofendeckels mit sich, wenn zum Beispiel Zuschläge eingefüllt wurden: die glutheiße Schmelze feuert nämlich ganz wie ein echter Vulkan gerne unkontrolliert heiße Spritzer durch die Luft. Inzwischen erledigen Maschinen die gefährlichen Arbeiten, und werden Anlagen von Schutzkabinen aus gefahren. |
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„Gefahren“ ist in der Schwerindustrie ein doppeldeutiges Wort: Als Substantiv meint es Bedrohungen, als Tätigkeitswort besagt es, dass eine Anlage in Betrieb genommen ist. Walzwerke zum Beispiel werden „gefahren“. In der Stahlhalle der DASA ist ein Teilstück eines Walzwerks aufgebaut, wo allein schon die schiere Masse der Anlagenteile ahnen lässt, was für einen Radau das Werk machte. |
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Im Walzwerk mussten die Arbeiter die glühenden Eisenstücke mit Zangen greifen |
Vor 100 Jahren war das Walzen der Eisenblöcke („Brammen“) zu Blechen, Stäben oder Reifen eine extrem schwere und höchst gefährliche Arbeit. Anfangs nämlich waren die Walzgerüste „mehr Werkzeug als Maschine“, wie es in einer Broschüre der DASA heißt: „Sie benötigten menschliche Hilfe beim Zuführen und Abnehmen der ‚glühenden Schlangen’“. Das heißt, dass die Arbeiter die Werkstücke greifen, um die Walze herum tragen und auf der anderen Seite wieder einsetzen mussten, weil die Anlage nur in einer Richtung lief. |
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Unfälle durch Blech, das sich selbstständig gemacht hatte
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Später entfiel das, dafür aber schossen fortan die „Schlangen“ wie wild aus den Walzen heraus, mussten blitzschnell im wahrsten Sinn des Wortes in die Zange genommen und für die Gegenrichtung umdreht werden. In einem Unfallbericht noch aus den 1960er Jahren heißt es: „Beim Walzen eines Grobblechs schlug ein Blech nach der Seite, dabei stieß die Zange, mit der das Blech gehalten wurde, den Verletzten so unglücklich gegen den Unterleib, dass er infolge der Netzzerreißung mit Bluterguss im Leibe tags darauf verstarb.“ |
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| Belastung durch Schichtarbeit |
Weniger spektakulär als Belastung ist die Schichtarbeit, die mit der Fabrikarbeit aufkam. Es wird geschätzt, dass in dieser Branche heutzutage 20 Prozent der Beschäftigten regelmäßigen Schichtdienst fahren. Das ist noch wenig etwa im Vergleich zur Gastronomie mit 44 Prozent oder Bergbau und Energie mit 32 Prozent. |
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| "Leben neben der Spur" |
In der Stahlhalle der DASA widmet sich ein eigener Raum der Schichtarbeit. Gezeigt werden die baulichen Möglichkeiten, um Lärm auch tagsüber aus einem Schlafzimmer fernzuhalten, genannt werden die Möglichkeiten, wie sich gesundheitliche Schäden infolge permanent wechselnder Lebensrhythmen vermeiden lassen. Ungelöst ist dabei das Problem der erschwerten Freizeitkontakte, die ein Aspekts der Schichtarbeit als „Leben neben der Spur“ sind. Eine Broschüre zur Ausstellung konstatiert: „Der Schichtplan (wird) schnell zum Lebens-Plan, der alles bis ins Kleinste mitbestimmt.“ |
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Vielfalt an Themen in der Ausstellung...
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Unbedingt empfehlenswert ist insgesamt ein Besuch in der DASA, die von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin ins Leben gerufen wurde und die 1996 den Micheletti-Preis für das beste Technik- und Industriemuseum in Europa erhielt. Sie behandelt eine solche Vielfalt von thematischen Aspekten, dass man dort mehrere Tage herumlaufen kann und immer noch etwas Neues entdeckt. Das reicht von den mechanischen Webstühlen der frühen Textilindustrie und der Gefahr durch die Wucht der Antriebsriemen über die Arbeit der Steinschlepper, die im Städtebau Zentnerlasten über Treppen in hohe Stockwerke wuchteten, bis hin zur Monteursarbeit am Hochspannungsmast in schwindelnder Höhe bei Wind und Wetter, um nur einige zu nennen. Zuletzt kommt die Ausstellung in der Gegenwart an, wo es um das Sitzen am Computer und psychische Belastungen wie Stress geht. |
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... und auch für Kinder spannende Präsentationen. |
Für Kinder gibt es in den großzügigen Hallen und Räumen reichlich Gelegenheit zum Herumrennen, in der Kraftwerksleitzentrale auch zum Knöpfedrücken, und nicht zuletzt lädt die DASA zur Fahrt mit einer Art von Geisterbahn ein, wo falsch gestapelte Waren herabzustürzen oder wackelige Lagerregale umzukippen scheinen. |
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Deutsche Arbeitsschutzausstellung (DASA), Friedrich-Henkel-Weg, 44149 Dortmund.
S-Bahn S1 Haltstelle Dortmund-Dorstfeld-Süd
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LINKS: Studie über Nacht- und Wochenendarbeit im europäischen Vergleich (Institut Arbeit und Qualifikation, Gelsenkirchen) |
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