 Zangen, mit denen früher im Walzwerk das glühende Eisen angepackt wurde, im Hoesch-Museum.
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„Die Namen Hoesch und Dortmund sind untrennbar miteinander verbunden“, sagte der Dortmunder Kulturdezernent zur Eröffnung des Hoesch-Museums in der Stadt. Damit traf er wohl einen Kern und insofern auch ist es auch folgerichtig, dass die Dauerausstellung den Titel „160 Jahre Hoesch und Dortmund“ trägt. Das Museum wird auf ehrenamtlicher Basis mit viel Engagement von einem privaten Verein getragen, der Mittel von verschiedenen Stiftungen bekommt.
Ein großes Thema will man also darstellen, dies mit einer Fülle von Einzelaspekten. Das fängt an mit „Vom Erz zum Stahl“ sowie „Arbeit auf der Hütte und Werksfamilie“, geht weiter über „NS-Zeit“ und „Mitbestimmung“ und endet mit dem „Strukturwandel“ sowie „Visionen für das neue Dortmund“, um nur einige der Aspekte zu nennen.
Weil man aber dann doch nicht hinreichend Platz für solch ein weites Feld hat, verliert die Präsentation ihre Dynamik - es werden zu viele Handlungslinien geknüpft, die sich leider nicht zu einem roten Faden verknüpfen. So kommt es, dass die interessanten und gut ausgewählten Exponate am Ende ohne dramaturgische Verbindung zwischen den Stellwänden mit den Fotos oder Dokumenten stehen. Für den Dortmunder ist da sicherlich immer noch etwas zu entdecken – für den Auswärtigen aber wird es aber schnell des Guten zu viel. |
| Die Nordstadt war Hoesch-Stadt |
Dennoch: Das Hoesch-Museum lohnt den Besuch, allein wegen des Wegs dorthin: Mit der Straßenbahnlinie 404 kommt man von der Fußgängerzone am Bahnhof zur Endstation Westfalenhütte durch die Nordstadt, die erst im Zusammenhang mit dem Werk angelegt wurde und die ehemals eine eigene Welt der Hoeschianer war. |
Eingang zum Hoesch-Museum durch das ehemalige Portiershaus.
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Die Werks„familie“ war hier fester Bestandteil des Alltags, und drumherum etablierte sich die besondere Ruhrpott-Trienale mit Trinkhalle an der Ecke, lokal gebrautem Bier und örtlichem Fußballclub, dies unter dem Dach des Katholizismus. Insofern brachte der Niedergang der Stahlindustrie nicht nur den Verlust von Arbeitsplätzen und den Absturz ins soziale Netz (an dessen Aufbau die Malocher über Jahrzehnte maßgeblich beteiligt gewesen waren). Plötzlich wussten jene Leute nicht mehr, wer ihnen da entgegenblickte, wenn sie morgens in den Spiegel schauten.
Hintergrund war, dass das Werk über Generationen mehr als nur Arbeitgeber für die Mitarbeiter gewesen war und auch mehr als üblich für sie getan hatte. Dies mit Kalkül, klar doch, nämlich um die qualifizierten Leute im Werk zu halten. Als woanders das Leben der Industriearbeiter bei Schicksalsschlägen, zum Beispiel einem Unfall des Ernährers der Familie, noch mit extrem hoher Unsicherheit verbunden war, führte Hoesch schon Kranken- und Pensionskassen ein, baute Werkswohnungen und gewährte Sonderleistungen. |
| Soziale Leistungen des Betriebs |
Johanna Hoesch, die Ehefrau des Firmengründers, hatte neben der Verpflegung der Beschäftigten in der Werksschänke die Einrichtung eines Kindergartens veranlasst. Später gab es eine Fabrikpflegerin als eine frühe Art Sozialarbeiterin, die sich um individuelle Notlagen der Belegschaftsmitglieder kümmerte. Unfallgeschädigte und Behinderte fanden Weiterbeschäftigung. Mit der Werkszeitung, der Werksbücherei und dem Hoeschpark bot die Firma den Beschäftigten und ihren Familien Möglichkeiten zur Bildung und Freizeitgestaltung. |
Im Portiershaus war die Werkspolizei untergebracht |
Natürlich war auch die Welt bei Hoesch und in Dortmund nicht der Himmel auf Erden. Das lässt sich gleich am Portiershaus als Sitz des Museums ablesen. Hier in einem der ehemaligen Werkseingänge der Westfalenhütte gibt es nämlich nicht nur eine Stechuhr und die endlosen Reihen der Arbeitermarken. Ehemals beherbergte das heute denkmalgeschützte Gebäude auch eine Arrestzelle, diese für den Fall, dass ein randalierender oder betrunkener Arbeiter von der Werkspolizei festgenommen worden war. |
 Altes Logo des Stahlbetriebs.
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„1871 gründete die Eifeler Familie Hoesch ihr Eisen- und Stahlwerk Hoesch in Dortmund“, wird auf einer Seite der Stadt Dortmund die Geschichte des Werks beschrieben. „Die Produktion begann mit einer Bessemeranlage zur Stahlherstellung, verbunden mit Walz- und Schmiedewerken, und wurde 1896 um zwei Hochöfen erweitert.
Mit Hoesch, der Dortmunder Union (nicht der Biermarke!) und dem Hörder Verein entwickelten sich drei der größten deutschen ... Stahlwerke in unmittelbarer Nachbarschaft. Seit 1966 firmierten sie unter dem gemeinsamen Namen Hoesch und wuchsen zu einem weltweit agierenden Konzern heran.“ Nur ein paar Zahlen zu den Beschäftigten, um den Zusammenhang zwischen Stadt und Werk noch einmal zu verdeutlichen: „Bei Hoesch arbeiteten um 1900 rund 6.500 Menschen am Hochofen sowie in den Stahl- und Walzwerken. 1957 waren knapp 40.000 Menschen in den drei Dortmunder Stahlwerken beschäftigt.“ |
| "Dortmund-Konsens" |
Dieser ganz besondere Zusammenhang, den man, biologisch gesprochen, als Symbiose zu beiderseitigem Vorteil bezeichnen kann, der sich allerdings, nüchtern betrachtet, auch als (wirtschaftliche) Monokultur darstellt, soll auch heute noch das Zusammenleben der Menschen in Dortmund bestimmen. So hieß es in einem Workshop von Deutschem Gewerkschaftsbund und Ruhrkohle AG Bildung, in dem es um „Ansätze für eine Regionalpolitik“ ging: „Die Kultur der Montanmitbestimmung hat die politischen Parteien der Stadt geprägt. Noch in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre gab es in allen Magistratsparteien Hoeschianer; das Bewusstsein eines Kollektivschicksals, das über seine Erzeugungsbedingungen hinaus weiter existiert..., ist sicherlich eine wichtige Voraussetzung des viel gerühmten Dortmund-Konsenses“ (pdf).
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So kommt es, dass sogar die Dortmunder Campus-Zeitung mit dem schwungvollen Titel „InDOpendent“ das Lokalkolorit pflegt. Aus Anlass der Eröffnung des Hoesch-Museums ließ sie ihre Studenten-Reporter eine 73-jährige Hoeschianerin interviewen (pdf). Da heißt es, dass der alten Dame zu jedem Stück in der Ausstellung eine Geschichte einfalle, und zum Firmensignet sagte sie: „Das gotische ‚H‘ ist immer das Zeichen für Hoesch gewesen. Heute gibt’s diesen schrecklichen modernen Schriftzug. Total nichts sagend.“
Apropos "untrennbar verbunden". Der Hoeschpark beherbergte ehemals die Werkssportanlage, und der Fußballclub Borussia Dortmund hatte hier seine erste Spielstätte. Die lag auf der „Weißen Wiese“ im Park, und die Gründungsmitglieder des BVB waren allesamt Hoeschianer, klar doch.
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Hoesch-Museum, Eberhardstraße 12, 44145 Dortmund.
Straßenbahnlinie 404 bis Endhaltestelle „Westfalenhütte“
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