 Die ersten Kanonenkugeln waren aus Stein, zu sehen im Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt. Weil sie nicht exakt ins Rohr passten, verpuffte die meiste Energie des Pulvers.
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Heute quaken dort nur noch die Frösche oder springt mal ein Fisch aus den riesigen Teichen und fällt zurück ins Wasser. Von 1550 an aber war Peitz in Brandenburg für 300 Jahre ein Zentrum der Eisenindustrie, genauer: der Waffenproduktion für das Militär. Dort wurden Kanonenkugeln gegossen.
Denn in der Region unweit Cottbus, wo heute einer der größten Binnenfischereibetriebe Deutschlands seine Karpfenzucht betreibt, gab es Raseneisenstein mit einem hohen Metallgehalt direkt unter der Grasnarbe. Holzkohle als Brennstoff für die Öfen ließ sich leicht in den Wäldern der Umgebung gewinnen. Und nicht zuletzt gab es reichlich Wasser – man denke nur an den nahe gelegenen Spreewald -, so dass man Gräben abzweigen und zum Antrieb in die Hammerwerke leiten konnte.
Und nicht zuletzt: die Fürsten hatten immer Expansionsgelüste und als Preußen später hatten sie ohnehin einen Hang zum Militär, so dass es hinreichend Gründe gab für die Aufrüstung und auch für den Einsatz der Truppen. |
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Um 1300 kommen die Vorläufer der Kanonen nach Europa |
Vermutlich waren die Vorläufer der Kanonen, die so genannten Pfeilbüchsen, zusammen mit dem Schwarzpulver in Asien erfunden worden. Jedenfalls kamen sie um 1300 nach Europa, wo damit auf einen Schlag das Zeitalter der Ritter zu Ende ging und gleich ein Wettrüsten begann. Um 1370, so schreibt Manfred Beckert in seinem Buch „Eisen. Tatsachen und Legenden“, traten die ersten Eisengeschütze auf, mit denen steinerne Geschosse gegen Burgen oder Festungsanlagen abgefeuert wurden. |
| Geringe Treffsicherheit |
Deren Treffsicherheit war zunächst noch gering, dafür ihr Gewicht umso größer. Schließlich musste die Kugel aus Stein, sollte sie Mauern zerschlagen, ein paar hundert Kilo Gewicht haben, was wiederum eine Menge an Pulver und ein entsprechend stabiles Geschützrohr verlangte. |
Innovationen bringen Effektivität im Töten |
Schnell folgten die Innovationen einander. Eine bestand darin, dass man die Kanonen aus Bronze goss, so dass sie weniger Gewicht hatten und leichter zu transportieren waren. Die Kugeln aus Eisen brachten einen wichtigen Gewinn an Effektivität: Hatte man ehedem pro Tag nur einen einzigen Schuss abgegeben können, weil man die grob behauene Kugel im Lauf mit Lehm abdichten und diesen trocknen lassen musste, passten nun die Geschosse besser in den Lauf, womit man sowohl an Vorbereitung als auch an Pulver sparte. Das Schießen wurde billiger und schneller, um es modern auszudrücken.
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 Kanone mit Bronzerohr und fahrbarem Untersatz (Lafette).
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Zunächst waren die Kugeln geschmiedet worden, was sie aber auch nicht perfekt rund werden ließ. Alsbald aber hatte man das Gießen im Griff. Damit sind wir wieder in Peitz gelandet, wo, wie gesagt, von 1550 an Brandenburgs Fürsten ihre Waffenproduktion aufbauten. „Ab 1567 ist der Eisenguss bezeugt“, heißt es auf einer Internetseite des Peitzer Hüttenmuseums, „das Werk belieferte die brandenburgisch-preußische Armee und die Festungen des Landes mit Kanonenkugeln.“ Versuchsweise seien im 17. Jahrhundert „auch Kanonenrohre gefertigt worden“, heißt es weiter. Vermutlich aber hatte man mit dem Bronzeguss nicht so viel Erfolg wie mit dem Eisen.
Unter sächsischer Verwaltung wurde 1809/10 das heutige Museumsgebäude als markanter Bau mit seinem steil gewölbten Bohlenbinderdach errichtet. Der Bedarf nach Militärausrüstung war zu jener Zeit enorm, denn Napoleon hatte sich aufgemacht, Europa zu erobern.
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Recycling von Kanonenkugeln
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Die Kanonen donnerten, was das Zeugs hielt, und zum Zwecke der Versorgung mit Geschossen setzten die Militärlogistiker auch eine frühe Art des Recycling ein: In der französischen Armee waren die Soldaten aufgefordert, nach der Schlacht Kanonenkugeln zu sammeln und gegen ein Entgelt abzuliefern. Belegt ist, dass die Grenadiere von Austerlitz 25.000 Stück zusammenbrachten und dafür je fünf Centimes bekamen. |
 Holzkanone aus einem mit Ringen gefassten Baumstammm, von den Tirolern im Kampf gegen die Franzosen eingesetzt (Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg).
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Schwer vorzustellen ist, dass eine Kanonenkugel bei Soldaten als Ziel verheerende Schäden anrichten konnte. Aber man muss sich den Weg, den solch ein Geschoss nimmt, etwa so vorstellen wie die Flugbahn eines flachen Steins, den man übers Wasser springen lässt: Zunächst fliegt das Geschoss ein paar hundert Meter geradeaus, tippt dann leicht auf den Boden auf, nimmt neuen Schwung und taumelt – abgelenkt vielleicht – weiter und so fort und so fort. Folglich: Wenn der Gegner nur aus allen Rohren feuert, kommt man ihm auch dann nicht aus der Schusslinie, dass man sich auf den Boden wirft.
Vermutlich kamen ohnehin gegen Soldaten einfache Kanonenkugeln nicht zum Einsatz. Denn für solche Einsätze hatten die Waffentechniker schnell eine Fülle von Innovation erdacht, wie oben angedeutet: etwa Kettenkugeln, bei denen zwei Geschosse miteinander verbunden abgefeuert wurden, die unkontrollierbar zuckend dahinschossen und Schneisen in die Reihen der Kämpfer schlugen. Ähnliche Wirkung hatten Stangenkugeln. |
| Kugeln mit Ladungen |
Klar, dass alsbald jemand auch auf die Idee kommen würde, der Kugel als solcher noch eine Ladung mitzugeben. Kartätschen und Granaten gehören zu dieser Klasse der Geschosse, die am Zielort eine Explosivladung zünden, zerplatzen und viele kleine Geschosse verschicken. Anmerkung: Nachdem in modernen Kriegen wie in Vietnam Röntgenapparate eingesetzt worden waren, um bei den Verwundeten die Splitter herauszuoperieren, ersannen die Waffentechniker alsbald Granaten mit Füllungen aus Hartplastik... |
 Kupolofen von 1831 mit Säulchen im Peitzer Hüttenmuseum, im Vordergrund ein Balkenkran.
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Beispiel England ein paar Jahrhunderte zuvor: „Ein wichtiger Industriezweig“ sei der Kanonenguss im 17. Jahrhundert gewesen, schreibt Manfred Beckert in seinem Buch und umreißt damit die Bedeutung der Branche. Allein im Jahr 1629 hätten Eisenwerke der Insel rund 600 Geschütze an die Generalstaaten von Holland geliefert. Belegt sind auch Vorkommnisse wie jene Aufregung im englischen Parlament, als ruchbar wurde, dass etliche der Geschütze der spanischen Armada aus Produktionsstätten Britanniens stammten.
Die Peitzer Hütte jedenfalls „hatte im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts ihre Blütezeit“, heißt es auf der Website des Museums. Dass dennoch schon 1858 ihr Hochofen niedergefahren wurde, hängt keineswegs damit zusammen, dass die Völker nach den verheerenden Kriegen mit Napoleon friedfertig geworden wären.
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Die technische Entwicklung geht an Peitz vorbei
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Die Gründe waren technischer Art und galten nur für Peitz: Die technische Entwicklung hatte Kohle und Koks an die Stelle von Holzkohle als Brennstoff treten lassen, und damit war der Industriestandort in Brandenburg plötzlich sozusagen weit ab vom Schuss. Bis 1898 betrieb noch ein Pächter die Gießerei und stellte Maschinenteile und Grabplatten her. Bald aber rentierte auch das nicht mehr. |
| Vorführungen im Museum |
Heute wird für Vorführungszwecke in Peitz wieder Eisen gegossen. Nach aufwändiger Restaurierung ist die Anlage zu besichtigen. Kurios kommt der Kupolofen von 1831 daher, bei dem schicke dorische Säulchen die Esse obendrüber tragen. Martialisch hingegen wirken die beiden Balkenkräne von 1811. Das Museum dokumentiert die Geschichte des Industriestandorts. |
| Den Krapfen soll ein Ex-Kanonier erfunden haben |
Übrigens: Der Krapfen, auch Pfannkuchen oder Berliner geheißen, soll von einem ehemaligen Kanonier Friedrichs des Großen erfunden worden sein. Der hatte ausgemustert und war in seinem neuen Gewerbe als Bäcker auf die Idee gekommen, einen Hefeteig rund wie eine Kanonenkugel zu formen, mit süßer Marmelade zu füllen und in Fett zu braten. |
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Ganz friedlich hingegen kommt der Landstrich unweit der polnischen Grenze heute daher. Entlang der Fischteiche führt ein Lehrpfad, der viel über die Zucht von Speisefischen in einem Binnenfischereibetrieb erzählt. Wer im Herbst kommt, der kann dem Abfischen der dicken Karpfen beiwohnen.
Da werden wenigstens keine Menschen umgebracht. |
| Hüttenmuseum Peitz, nächste Bahnstation ist Cottbus |
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