 Das technische Denkmal der Röstöfen in Bendorf.
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Modern ausgedrückt würde man sagen, dass mancherorts früher die Grillsaison 24-7 war, das heißt, dass sie das ganze Jahr über sowie Tag und Nacht andauerte. Bestimmte Eisenerzsorten mussten nämlich vor der Verhüttung vorbehandelt werden, und das geschah durch Rösten: In besonderen Öfen wurde das Gestein erhitzt, was ihm unerwünschte Zusatzstoffe austrieb. Im Wesentlichen ging es um den Schwefel, chemisch ausgedrückt: hat man es mit sulfidischen Erzen zu tun, muss man vor der Verhüttung durch Ausglühen aus ihnen oxidische machen.
Die Gegend um Bendorf unweit von Koblenz war ehemals ein Zentrum der Schwerindustrie. In der Landschaft am Rand des Westerwalds war schon zu Zeiten der alten Römer Spateisenstein abgebaut worden. Der hatte einen hohen Eisengehalt, jedoch gleichfalls einen unerwünschten Anteil an Schwefel und vor allem an Kohlensäure. |
Krupps Röstverfahren brachte eine wichtige Innovation |
Der Hüttenbaron Krupp brachte nach 1865 eine entscheidende Innovation für das Rösten dieses Rohstoffs: Statt dass man das Gestein weiterhin in so genannten Henschelkesseln erhitzte, setzte man nun senkrechte Ofensäulen ein: oben füllte man schichtweise das Erz zusammen mit dem Brennmaterial ein und unten zog man es fertig aufbereitet heraus. |
| Vier der Öfen sind erhalten geblieben |
Vier der Öfen von damals sind am Berghang oberhalb von Bendorf erhalten geblieben und restauriert worden. Sie stehen unter Denkmalschutz und sind über einen Fußweg von zehn Minuten vom Ort aus leicht zu erreichen. Den besten Blick hat man von der Terrasse des Hotels Rheinblick, nachdem man über die Remystraße den Hang erstiegen hat. |
| Wichtiger Beitrag zum Eisenboom |
Krupps neuer Ofentyp, der das Prinzip des Hochofens auch für das Rösten zur Anwendung brachte, war ein folgenreicher Schritt: Er beschleunigte das Verfahren enorm, führte zudem zu einer besseren Energieausbeute des Brennmaterials Koks und damit insgesamt zu einer Verbilligung des Roheisens. Kurz: er trug zum Boom der Branche bei. |
 Georg Agricola zeigte in seinem Werk „Vom Berg- und Hüttenwesen“ von 1556, wie ein Röststadel funktioniert: In einem gemauerten Viereck, das wegen der Luftzufuhr an einer Seite offen ist, wird Holz als Brennmaterial aufgeschichtet...
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Der Spateisenstein stammte vom Plateau unweit der Stelle, wo sich heute das technische Denkmal der Röstofen befindet. Das im Bergbau gewonnene Erz wurde an der Oberfläche zunächst gewaschen, das heißt von taubem Gestein sowie Ton und Sand gereinigt, dann in handliche Stücke zerkleinert und über ein Schienensystem zu den Röstöfen am Hang geschafft.
Dort wurde es unter Luftzufuhr bis nahe an seinen Schmelzpunkt erhitzt. Dabei ging die Kohlensäure chemische Reaktionen ein, was dem Erz das Zuviel an Kohlenstoff entzog. Zudem wurde der Schwefel umgesetzt. Nicht nur, dass damit das Roheisen nach der Verhüttung weniger spröde war. Es enthielt auch mehr Sauerstoff, so dass für den späteren Hochofenprozess weniger Brennstoff gebraucht wurde. Umgekehrt enthielt es weniger Fremdstoffe, was die Transportkosten reduzierte.
Die Zahlen auf den Schautafeln des technischen Denkmals geben eine Vorstellung von den Kapazitäten am heute malerischen Bendorfer Hang: Im Geschäftsjahr 1878/79 wurden die Öfen mit 5110 Tonnen Roherz beschickt, aus denen 4086 Tonnen Erz geröstet wurden. Pro Tonne Erz verfeuerte man etwa 33 Kilo Koks.
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 .., darauf kommt ein kegelförmiger Erzhaufen. Dann wird das Holz angezündet. (Ausschnitte aus dem Original-Holzstich)
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Widmen wir uns für einen Moment der Geschichte des Standortes. Kurz vor dem Jahr 1730 hatte Wilhelm Remy in Bendorf eine Grube gekauft und sie seinem damals noch kleinen Hüttenbetrieb angeschlossen. In der Folge investierte er mächtig. Von der Mitte des folgenden Jahrhunderts an bestimmten neue Namen das Geschehen: Krupp kaufte 1875 Remys Grube, nachdem er seinem Industriereich zehn Jahre zuvor schon die Sayner Hütte mit ihrem berühmten Eisenkunstguss einverleibt hatte.
Von 1878 an ließ er die Röstöfen des neuen Typs in Bendorf bauen. Bereits nach zwei Monaten Anlaufphase stellte sich ein Erfolg ein: gegenüber den bis dahin üblichen Henschelkesseln wurde nur noch die Hälfte an Brennstoff benötigt.
Das Rösten muss man sich ehemals als einen üblichen Vorgang in der Rohstoffaufbereitung vorstellen, der zudem weit über die Eisenindustrie hinaus üblich war. Auch in der Silbergewinnung wurde geröstet, wobei man dort mit den Abfallstoffen noch ein Geschäft machte: Im Rauchfang der Röstöfen im Erzgebirge setzte sich elementarer Schwefel ab, der als so genannter Stangenschwefel verkauft werden konnte. Genauso gewann man aus Eisenerz Arsenik, das in der Gerberei als Konservierungsstoff und auch in der Glasherstellung als Zusatz Verwendung fand. |
Auch Flachs wurde für den Weg zum Leinen geröstet |
Auch in der Textilherstellung bereitete man das Ausgangsmaterial durch Rösten auf. Beim Flachs zum Beispiel, aus dem man Leinen machte, musste der „Pflanzenleim“ aus den Stängeln herausgetrieben werden, damit man an die einzelnen Fasern herankam und diese durch weitere Schritte wie Brechen und Hecheln geeignet für den Webstuhl machen konnte. Geröstet wurde hier jedoch nicht mit Feuer, sondern indem die Rohstängel entweder auf der Wiese ausgelegt und dem Tau ausgesetzt oder im Dorftümpel ins Wasser eingelegt wurden. Dabei zersetzten Mikroorganismen den unerwünschten „Leim“. |
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Hier hat das Wort „Rösten“ eigentlich nichts mit Grillen zu tun, geht es doch auf das alte „rotten“ zurück, welches „verfaulen“ bedeutet. Allerdings ist nun dieses „Rotten“ wiederum nahe verwandt mit dem „Röthen“, das „rot werden“ bedeutet. Wenn man nun hinzunimmt, dass die Alten, wenn sie von der Farbe „Rot“ sprachen, aus heutiger Sicht eigentlich ein Braun meinten, sind wir doch wieder beim Grillen angekommen. Denn auf dem Rost nimmt Grillgut bekanntlich diese Farbe an. |
| Zu erreichen ist das technische Denkmal der Röstöfen mit regelmäßigem Busverkehr vom Hauptbahnhof Koblenz aus, Haltestelle Remystraße in Bendorf, zehn Minuten Fußweg hangaufwärts. |
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