Die Geschichte der Dosenherstellung zeigt das Stadtmuseum in Seesen.
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Ein schönes Beispiel dafür, wie sich die Sprache ständig verändert, ist das Wort „Spam“: Heute bezeichnet es massenhaft versandte E-Mails, ursprünglich war es der Begriff für „spiced ham“, also gewürzten Schinken, den die US-amerikanische Firma gleichen Namens im 2. Weltkrieg den Soldaten überall auf dem Globus lieferte.
Kennzeichen des Speise-Spam war auch die Form seines Behältnisses, die sich bis heute beim Frühstücksfleisch gehalten hat. Damit sind wir bei unserem Thema, der Konservendose, und haben gleich auch schon die erste Erkenntnis erzielt: eine Konservendose ist heutzutage keineswegs bloß ein regelmäßiger Zylinder: Fischbüchsen sind schon lange nicht mehr nur rund, und inzwischen ist „Shaping“ ein Trend der Verpacker, bei dem mit allen möglichen Formen experimentiert wird. Ziel dabei ist immer, dass die Form der Dose Lust auf den Inhalt machen soll. |
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Selbst in Sachen Dosendeckel gibt es eine Vielfalt, angefangen von dem Klassiker, für den man einen Öffner braucht, bis hin zu den aufreißbaren Laschen für Bier- oder Erdnussdosen. Hierzu wird später noch etwas zu sagen sein. |
Trocknen, Räuchern und Einlegen haben einen großen Nachteil:... |
Der Blick in die Geschichte legt die Vermutung nahe, dass die Menschheit seit Urzeiten auf der Suche nach der Konservendose war. Denn Lebensmittel haltbar zu machen war seit alters her ein Thema, und es gelang ehemals durch Lufttrocknen, Räuchern, Einsalzen oder auch Einlegen in Essig. Es gelang mehr schlecht als recht. |
| ... das Lebensmittel verliert an Geschmack und an Nährwert |
Alle diese Verfahren hatten nämlich als entscheidenden Nachteil, dass sie mit einer Veränderung des Geschmacks verbunden waren und, schlimmer noch, einen Verlust an Nährwert nach sich zogen. Beispiel sind die eingepökelten Lebensmittel, die auf den Entdeckerfahrten seit dem 15. Jahrhundert an Bord der Schiffe mitgenommen wurden: Sie verursachten Vitaminmangel und führten so zu der gefürchteten Mangelkrankheit Skorbut. |
Shaping ist der aktuelle Trend im Dosen-Business: die Form der Büchse soll dem Käufer Lust auf den Inhalt machen. (Foto: Informationszentrum Weißblech)
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Es brauchte einen Napoleon, um das Problem zu lösen: 1795 kaum zum Oberbefehlshaber der französischen Armee ernannt, schrieb er die damals ungeheure Summe von 12.000 Francs für denjenigen aus, der ein Verfahren zum Haltbarmachen großer Mengen Lebensmittel und der darüber hinaus noch eine praktikable Transportverpackung für solche Konserven erfand. Eins war dem großen Strategen offenbar klar: Wenn er Europa erobern wollte, musste er das mit großen Heerscharen tun, und die konnten sich nicht mehr nach dem altem Grundsatz Wallensteins, wonach der Krieg sich selbst ernährt, durch die Lande plündern.
Darüber hinaus dürfte dem ambitionierten Korsen wenig später ebenfalls klar geworden sein, dass, wenn die Kontinentalsperre gegen England ein Erfolg sein sollte, er ein effektives Konservierungsverfahren brauchen würde. Denn mit dieser 1806 verfügten und bis 1814 durchgehaltenen Wirtschaftsblockade verlor der Kontinent von einem auf den anderen Tag den Rohzucker aus den britischen Kolonien, mit dem bis dato Marmeladen und Sirup haltbar gemacht wurden. |
| Erhitzen zwecks Haltbarmachen |
Napoleons Innovationsförderung, wie man diese Politik heute nennen würde, hatte Erfolg. Der Konditor François Nicholas Appert fand um die Jahrhundertwende heraus, dass sich Lebensmittel durch Erhitzen haltbar machen lassen. |
François Appert gewann den Preis, den Napoleon ausgesetzt hatte,...
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Appert bekam 1810 den Preis und veröffentlichte gemäß den Wettbewerbsbedingungen seine Erkenntnisse in einem Buch. Wir wollen hier den Titel des Werkes ganz nennen, schließlich handelt es sich um einen Meilenstein auf dem Weg zur Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln: „Die Kunst alle animalischen und vegetabilischen Substanzen nämlich alle Gattungen Fleisch, Geflügel, Wildpret, Zugemüsen, Kuchen-Arzneygewächse, Früchte, Sulzen, Säfte; ferner Bier, Kaffeh, Thee u.s.w. in voller Frische, Schmackhaftigkeit und eigenthümlicher Würze mehrere Jahre zu erhalten.“ |
...Louis Pasteur steuerte später wichtige Erkenntnisse bei |
In zweierlei Hinsicht aber war Appert nicht erfolgreich: Die Erklärung, was bei der Erhitzung eigentlich mit den Lebensmitteln geschah, lieferte erst um 1850 der Physiker Louis Pasteur, nach dem das Verfahren den Namen trägt; als Behältnisse verwendete Appert Glasflaschen, die für Militärtransporte viel zu zerbrechlich waren. |
| Blech statt Glas |
Den richtigen Weg schlug 1810 der Engländer Peter Durand ein: Er benutzte Blechkanister. Den Deckel lötete er mit Blei an – zunächst noch mussten viele Soldaten an Vergiftung sterben, bevor die so genannte Weißblechdose fertig entwickelt war: In ihr kommt kein Blei mehr zum Einsatz und ist das Blech mit Zinn hauchdünn beschichtet - neuerdings auch noch lösemittelfrei lackiert –, so dass das Metall auch nach dem Öffnen unter Luftzutritt nicht mit dem Inhalt chemisch reagiert. |
Dosenöffnen war lange eine echte Herausforderung
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Nicht, dass damit die heutigen Dosen erfunden gewesen wären, deren Haut mit wenigen Zehntel Millimetern so dünn ist, dass man sie mit einer Nagelschere durchstechen oder zerschneiden kann. Zunächst war das Blech noch dick, so dass die Soldaten im Feld Säbel oder Bajonett, gelegentlich auch Hammer und Meißel einsetzen mussten, um an das Essen heranzukommen. |
 Spaping: Dosen für Caipirinha, den Schnaps aus Brasilien. (Foto: Informationszentrum Weißblech)
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Als dann von etwa 1855 an die Büchsenöffner aufkamen, waren sie zunächst noch martialische Instrumente. Erst 1870 wurde der Öffner mit Schneidrad entwickelt. Der wiederum war erst dadurch möglich geworden, dass das Dosenblech sehr viel dünner geworden war.
Schon 1830 waren Büchse und das Konservierungsverfahren nach Deutschland gekommen, genau gesagt in das Harzstädtchen Seesen. Die Geschichte der Dosenindustrie dort dokumentiert das Städtische Museum: der Kammerherr und Diplomat Baron von Campen hatte die Innovation aus Paris mitgebracht, und er erteilte dem Klempnermeister Züchner aus Gandersheim den Auftrag, ein paar Konservendosen herzustellen. Die wurden, gefüllt mit Wildbret und Gartengemüse, an den Herzog übersandt. |
| Dosenproduktion war Handarbeit |
Bis es zu einer Massenproduktion kam, sollte noch einige Zeit vergehen. Denn zunächst war die Dosenproduktion Handarbeit – ein Klempnergeselle konnte pro Tag etwa zwölf Stück herstellen. |
| Die Seesener Fabrikanten brachten wichtige Innovationen hervor |
Allerdings war der Moment günstig für die Industrialisierung auch in diesem Bereich: noch in nachhaltiger Erinnerung war das Jahr 1815, in dem, nachdem Napoleons Kriegszüge die Vorratsspeicher auf dem Kontinent restlos geplündert hatten, in Fernost der Vulkan Tambora ausgebrochen war, der der Landwirtschaft im Folgejahr weltweit fürchterliche Missernten und den Menschen den wohl grausamsten Hungerwinter aller Zeiten bescherte. |
 So viel Verpackung wie Ware: die Spreewälder Gurken werden pro Stück in einer Dose verkauft - ein prämiertes Marketingskonzept. (Foto: Informationszentrum Weißblech) |
Erzählt wird in dem Seesener Museum auch die Geschichte des Seesen-Dollars. Das war in den Nachkriegsjahren der Name für die Dosendeckel, die damals einzeln verkauft wurden. Hatte man nämlich eine Konserve geöffnet, warf man sie nicht weg, sondern schnitt den oberen Dosenrand mit dem Falz ab und verschloss sie nach der nächsten Ernte mit dem neuen Deckel von neuen. Voraussetzung war dafür die Technik der Falzmaschine, eine Innovation aus Seesen.
In den 1960ern, als die Bundesbürger noch fleißig mit Wecks Glasbehältern und Gummiringen einweckten, kam in den USA schon die nächste Neuerung auf den Markt, die eine Synthese zwischen Einmachglas und weiterentwickeltem Seesen-Deckel darstellte, das Konservenglas mit Nockendrehverschluss. Hier kann man den Inhalt von außen sehen und hat als Haltbarkeitsbeweis das Knacken beim ersten Öffnen.
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| Andy Warhols Campbell-Kunst |
Zu erwähnen ist noch, dass die ausrangierten Dosen trotz ihrer scharfen Ränder für ganze Generationen prima Spielzeug waren, etwa verbunden durch einen Faden als Telefon, und dass sie gleichzeitig von der Kunst geadelt wurden, etwa von Andy Warhol mit seinen Campbell-Suppendosen, oder von Jackson Pollock, der aus an Fäden schwingenden Dosen Farbe auf Leinwände tropfen ließ.
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| Museumsbauten wie zerknüllte Dosen |
Heute baut Frank O’Gehry Museen wie jenes für die Guggenheim-Foundation in Bilbao, die aus der Ferne wie zerknüllte Konservendosen aussehen. |
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Schließlich hat auch die Sprache sich den Alltagsgegenstand Dose zu eigen gemacht. Sich „eingedost“ fühlen, war eine Weile ein Modeausdruck der jungen Leute und „aus der Dose“ ist eine Redewendung für schnell fabriziert. Vorsicht aber: „ein kleinen Dosen“ hat anderen Ursprung. |
| Städtisches Museum Seesen |
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LINKS:
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Association of European Producers of Steel for Packaging (APEAL) |