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(Februar 2008) Am Schaukelpferd findet man sie, ebenso am Tragflächenboot und auch am Wasserflugzeug. Wenn wir nun noch hinzufügen, dass ein Schlitten ohne nicht denkbar ist, ist klar, dass es diesmal um Kufen geht. Noch bis zum 30. Mai gibt es in der sächsischen Wintersportstadt Oberhof eine Ausstellung mit dem Titel „Von der Astschleife zum Rennrodel“. Sie zeichnet eine Kulturgeschichte des Schlittens, und das soll uns Gelegenheit sein, mal genauer unter dieses uralte Transport- und Fortbewegungsmittel zu schauen. |
Fortbewegungsprinzip der Kufe ist das Schleifen |
Das Fortbewegungsprinzip hinter der Kufe ist das Schleifen von Lasten über den Boden. Lange bevor das Rad erfunden war und Güter auf Rollen bewegt wurden, hatten die Menschen es entdeckt. Steinblöcke zum Beispiel wurden in so genannten „Nestern“ aus den Brüchen hangabwärts gezogen: Man legte die Brocken auf Astwerk und ließ sie ins Tal gleiten. Die dicksten Äste der Unterlage hatte man dabei an ihrem Ende zusammengebunden, damit man diese Art von Floss fürs Trockene auch steuern konnte. |
| Reduzierung der Lauffläche |
Klar, dass zu ebener Erde das Verfahren äußerst mühselig ist. Denn die Last reibt mit ihrer gesamten Unterseite auf dem Boden. Schon bald aber hatten die Menschen entdeckt, dass das Unterfangen leichter ging, wenn man die Lauffläche reduzierte, etwa dadurch, dass man Balken unterlegte. Dieses Prinzip hielt sich lange: Noch aus dem Mittelalter belegen Bilder, dass bei Feuersbrünsten in den Städten die Pferde Wasserfässer auf zwei dicken Bohlen zu den Helfern an den Handpumpen heranschafften. |
Eisenbeschlagene Kufen auf Hollands Eisflächen
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Kufen sind nichts anderes als die weitere Verfeinerung dieses Prinzips der Minimierung der Reibung. Sie waren schon im Altertum entwickelt worden. Um 1300 tauchen sie, versehen mit einem Eisenbeschlag, auf Hollands vereisten Gewässern auf. Wie man auf einer Seite über die Geschichte des Eislaufens nachlesen kann, reichten diese Kufen nur bis zur Hälfte der Ferse – schließlich benutzte man damals die Hacke, um zu bremsen. |
Profisport: Kampf um tausendstel Sekunden |
Springen wir gleich in die Gegenwart zum Wintersport. Bei den Rennrodeln oder –bobs geht es ebenfalls um eine Minimierung der Reibung, was sich in tausendstel Sekunden niederschlägt. Das sind bei Geschwindigkeiten von weit über 100 km/h im Eiskanal letztendlich nicht viel mehr als ein paar Zentimeter pro Durchgang. Jedoch ist der Aufwand, der für diesen Atemzug getrieben wird, riesig und fordert alle Innovationskraft von den Wissenschaftlern, die die Rennsportgeräte entwickeln. |
 Schlittschuhlaufen zählt zu den beliebtesten Wintervergnügen.
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Zum Beispiel kann am Luftwiderstand die Reibung reduziert werden, weshalb Rennbobs viele Stunden im Windkanal stehen, damit Form und Außenhaut aerodynamisch optimiert werden. Reibung kann man auch anhand der Gleiteigenschaften verringern, etwa indem man einen Schlitten mit Stoßdämpfern versieht. Nicht zuletzt lassen sich „Reibungsverluste“ zwischen Sportler und Schlitten minimieren, indem im so genannten Mensch-Geräte-System die Komponenten optimal aneinander angepasst werden.
Vor allem aber lässt sich mit dem besten Kufenstahl und der intelligentesten –form Zeitgewinn herausholen. Da werden im Versuchsstand Prototypen auf bewegliche Eisflächen aufgesetzt, an denen man penibel misst, wie das Metall an welchen Stellen bei welchen Belastungen sich verformt, um nur einige wenige der vielen Fragestellungen zu erwähnen. |
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War es ehedem Sache des Sportlers, für welche Stahlsorte er sich entschied, ist seit 2006 ein bestimmter Edelstahl als Normmaterial vorgeschrieben.
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| Hohlschliff bei Schlittschuhen |
Eine Besonderheit unter den Kufen sind die fürs Eislaufen. Bei ihnen gelingt die Minimierung der Reibung durch den Hohlschliff: hier besteht eine Kufe auf der Unterseite eigentlich nur noch aus zwei dünnen Kanten, auf die sich das gesamte Gewicht des Sportlers verteilt. Dieser Druck führt aber keineswegs dazu, dass sich das Metall in die Lauffläche einschneidet, sondern vielmehr dass das gefrorene Wasser taut, besser: dass bei bestimmten Temperaturen das zwischen den Eiskristallen eingelagerte Wasser als hauchdünner Flüssigkeitsfilm austritt. Auf dem gleitet die Kufe mit nur noch minimalem Berührungswiderstand. |
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Für schnelles Gleiten gibt es folglich ideale Temperaturen, weshalb bei extremer Kälte das Schlittschuhlaufen keinen Spaß mehr macht: Dann reicht der Druck nicht mehr aus, dass das Eis schmilzt, und nützt auch der beste Hohlschliff nichts mehr. |
| Kufen aus Knochen |
Die ersten Kufen waren dünne Rinder- oder Pferdeknochen, die sich die Leute unter die Stiefel schnallten. „Diese Vorläufer des heutigen Schlittschuhs hat man in Russland, Skandinavien, Großbritannien und anderen europäischen Ländern gefunden“, hieß es in einer Sendung des Fernsehkanals Arte zum Eiskunstlauf. „Die Ureinwohner Sibiriens liefen auf Walrosszähnen, in China benutzte man Bambusruten, um sich auf dem Eis bewegen zu können.“ |
 Kufenschutz sorgt dafür, dass der Hohlschliff nicht beschädigt wird. (Foto: Wolfgang Werwie)
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Übrigens: Das Eisbein kam über holländische Einwanderer zu seinem Namen. Die nämlich hatten das Wissen um Knochenkufen nach Deutschland mitgebracht. Als geeignet dafür stellten sich auch die Hinterbeine der Schweine heraus – Eisbeine, eben.
Prachtvoll verzierte Schlitten tauchen in Mitteleuropa im Mittelalter auf und werden mit dem Aufblühen der Fürstenherrschaft zu einem Repräsentationsobjekt. Das Germanische Nationalmuseum hat dazu eine Ausstellung gemacht und schreibt im Katalog („Heiße Kufen - Schlittenfahren: Repräsentation, Vergnügen, Sport“, Frank Matthias Kammel, Verlagsverzeichnis als pdf): „Sie sind Zeugnisse einer untergegangenen luxuriösen Kultur“ und „gehörten zu den prunkvollen Auftritten des Herrschers, mit denen er seine Macht und Vorrangstellung vor allen Landeskindern demonstrierte.“
Zahlreiche amüsante Episoden werden in dem Katalog berichtet, etwa jene aus dem Nürnberg des Jahres 1452: Als dort der Franziskanerpater Johannes von Capestrano den Bürgern ins Gewissen redete, um sie zu maßvollem Leben anzuhalten, verbrannten diese in frommem Eifer nicht nur Schnabelschuhe, Schmuck und Spielkarten, sondern gleich auch noch 72 prächtige Schlitten. Denn die Schlitten, da sie mit reichem und teils auch frivolem Figurenschmuck verziert waren, galten als Zeichen eitlen Lebenswandels. |
| Schlittenfahrten waren Mode |
„Schlittenfahrten waren beim Adel äußerst beliebt“, heißt es im Katalog weiter, „seit dem späten Mittelalter kam offenbar kaum eine bedeutende ... Festlichkeit, ob Hochzeit, Kindstaufe oder Friedensschluss, ohne aus.“ Ein Beispiel: Am Wiener Kaiserhof war es im 17. und 18. Jahrhundert üblich, zwischen Dreikönigstag und Aschermittwoch prächtige Schlittenumzuge mit oft 40 bis 50 Gefährten zu veranstalten. Bei Tage steuerten sie die Schlösser in der Umgebung an; in der Dunkelheit fuhr man über die Straßen der Stadt, wo auf den großen Plätzen „Caroussel“ oder „Radel“ absolviert wurde: „Dann jagten die Schlitten in Kreisen, Schlangenlinien und anderen Figuren nach einer festgelegten Choreographie über den Schnee“, heißt es im Katalog. |
| Klima der Kleinen Eiszeit |
Man merkt: Das Klima muss während der so genannten Kleinen Eiszeit, die etwa von 1350 bis 1880 unserer Zeit dauerte, tatsächlich kälter als heute gewesen sein, so dass Schnee im Winter etwa auch in Wien eine sichere Sache war. Nur ein paar weitere Angaben dazu, wie man sie in dem Buch „Kulturgeschichte des Klimas“ von Wolfgang Behringer (C.H. Beck Verlag) findet: seit den 1560er Jahren wird nicht nur berichtet, dass der Rhein in vergleichsweise vielen Wintern zugefroren war – mehrfach war er sogar bis auf das Bett erstarrt! Berühmt wurden vom 16. bis zum 18. Jahrhundert die so genannten Themse-Messen auf dem zugefrorenen Fluss in London, wo das Eis so dick war, dass man darauf Garküchen mit offenem Feuer einrichtete. Mehrfach fror die Ostsee zu, ebenso die Lagune von Venedig – vom Bodensee ganz zu schweigen. |
| Gebimmel zur Unfallvermeidung |
In manchen Jahren fielen damals gewaltige Mengen an Schnee. Folglich musste es Regeln für den Verkehr mit Schlitten geben, etwa in den dunklen Stunden, wenn die weiße Pracht das Getrappel der Pferdehufe verschluckte: Um Zusammenstöße zu vermeiden waren Decken mit Bimmelglöckchen üblich – noch heute kommt kein Weihnachtslied ohne diese Schellenklänge aus. |
| Winterspaß für Kinder |
Für Kinder ist das Schlittenfahren das schönste Winterspiel. Beim überraschenden Wintereinbruch tat ehemals der Schulranzen gute Dienste als Untersatz, heute gibt es allerlei modernes Gerät wie das Gleitboard oder Rodelkissen, die allerdings keine Kufen mehr haben und wieder zum alten Schleifen zurückgekehrt sind. Genauso gibt es zahlreiche neue Sportarten auf Kufen, angefangen vom Eisskaten, Eissurfen bis hin zum Skeleton-Rodeln. |
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In den Tourismuszentren des Winters gilt die nächtliche Fahrt mit dem Pferdeschlitten als Höchstmaß an Romantik. Gleichwohl steht das Kufengerät in der Umgangssprache auch für andere Situationen: Mit jemandem Schlitten fahren heißt, mit einem Unterlegenen rüde umzugehen. Ein „heißer Schlitten“ wiederum ist ein schnelles Auto. |
Thüringer Wintersportausstellung, Oberhof
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Die Enten laufen Schlittschuh (Christian Morgenstern)
Kleine Eiszeit Schlittschuhe - eine urzeitliche Erfindung aus dem heutigen Finnland? |
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FÜR KINDER: Eiskunstlauf |