Die Mode der Krinolinenröcke brachte eine große Nachfrage nach den dünnen und flachen Stahlstäben der Kaltwalzindustrie.
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(Februar 2008) Dass Eisen und Stahl einmal in der Kleidermode der Damen eine wichtige Rolle spielten, mag überraschen. Denn unvereinbar scheinen hier die Gegensätze: auf der einen Seite denkt man an Hochofen und schweres Gerät und auf der anderen an Sinnlichkeit und feines Tuch. Und doch war es so, nämlich im Fall der Krinolinenröcke, die etwa von 1830 bis 1870 als der letzte Schrei in Sachen Chic galten.
Bei ihnen handelt es sich um weit gespanntes Tuch in Form von Glocken. Sie gingen auf die Mode der Reifröcke im 16. Jahrhundert zurück, die damals über Gestänge aus Fischbein aufgespannt waren. Dieses Material war jedoch nicht wirklich geeignet, denn es brach leicht, so dass frau mit einem solchen Rock kaum zu einem richtigen Tanzvergnügen gehen konnte.
Abgeholfen wurde diesem Mangel mit flachen Stäben aus Stahl, die im Kaltwalzverfahren hergestellt worden waren. Um es griffig zu formulieren: zum Walzer übers Walzen, sozusagen. |
Stahlstäbe auch für Korsetts und Corsagen
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Die neuen Metallstreifen, die sich auch in Korsetts und Corsagen bewährten, waren nämlich waren erstens dünn und deshalb leicht, zweitens biegsam, so dass man das Tuch richtig glockenhaft aufspannen konnte, und drittens unendlich flexibel, so dass der Rock bei jedem Schritt wie zu schweben schien. Dass es ein Gerüst ausgerechnet aus Eisen war, das dem Kleidungsstück die Eleganz gab, wurde tunlich verschwiegen. |
| Geschichte der deutschen Kaltwalzindustrie im Museum |
Das Deutsche Kaltwalzmuseum im Schloss in Hohenlimburg unweit von Hagen in Westfalen beschreibt dieses kuriose Zusammenwirken von Mode und Metall. Es schildert die Geschichte und Technik der deutschen Kaltwalzindustrie, die 1830 entstand und es im Märkischen Kreis zu Rang und Namen brachte. Noch heute kommen 70 Prozent der Produktion dieser Branche aus der Region. |
Drahtzieher in der Gegend zwischen Hagen und Iselohn |
Das wiederum hängt mit der langen Geschichte der Gegend zwischen Hagen und Iserlohn als Industriestandort zusammen: Hier hatte es schon seit dem 9. Jahrhundert Drahtzieher gegeben, und die waren irgendwann auf die Idee gekommen, ihre Drähte flach zu walzen, um sie zu breiten und dennoch dünnen Stäbchen zu machen. Dies geschah bei Zimmertemperatur, daher der Name des Verfahrens. |
 Maschine im Deutschen Kaltwalzmsueum.
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Vor den Stäben für die Krinolinenröcke hatte um 1820 schon ein anderes Produkt aus der Textilindustrie dem Aufblühen der Kaltwalzindustrie einen wichtigen Impuls gegeben. Es war die Weberriete, ein wichtiger Bestandteil der mechanischen Webstühle. Als die Industrialisierung in der Stoffproduktion um sich griff, wurde die Nachfrage nach dieser Art von Kämmen immer größer. Hergestellt worden waren sie um 1812 erstmals aus dünnen Stäbchen, basierend auf gewalztem Draht. „Man kann mit recht sagen, dass die Weberriete erstes Kaltwalzprodukt war“, heißt es im Museum.
Ein Markstein für die Entwicklung des Produktionsverfahrens kam 1830 von Alfred Krupp. Er kündigte damals an, er könne geschmiedete Walzen liefern, die im Betrieb kaum mehr brechen würden.
Seitdem hat sich das Kaltband unterschiedlicher Dicke beinahe jeden Bereich des Alltags erobert. Die dünnste Spielart war ehemals die Rasierklinge. Heute sind es Folien, die noch um die 0,05 mm dick sind. Weitere Erzeugnisse waren Teile für die Fahrrad- und Nähmaschinenindustrie, die der Region später im 19. Jahrhundert einen weiteren Boom bescherten. Kanten für Skier werden heutzutage ebenfalls im Kaltwalzverfahren hergestellt. |
Die Walzen müssen eine exakte Form haben
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Um nun dem Band die gewünschte Form zu geben, müssen die Walzen exakt diese Form haben. Da sie sich aber beim Walzprozess abnutzen, müssen sie regelmäßig neu geschliffen werden. Heute tun das hochpräzise Maschinen. Von solchen und ähnlichen Apparaturen für den Prozess des Kaltwalzens zeigt das Museum eine ganze Reihe. |
Zwischendurch muss der Stahl geglüht werden
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Dokumentiert wird auch das Glühen, das eigentlich vom Namen her dem Kaltwalzen widerspricht. Es ist jedoch eine notwendige Zwischenbehandlung des im Prozess dünn gewordenen Metalls, das dann nicht mehr weiter bearbeitet werden kann. Wird es jedoch für einige Stunden auf 700 Grad erhitzt, gewinnt es wieder seine Weichheit zurück und kann und kann nach dem Abkühlen wieder in den Prozess gehen. |
 Beim Schneiden der Endlosbleche enstehen lange Abfallstreifen, die aufgewickelt „Schrottmops“ genannt werden.
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Es gab eine weitere wichtige Innovation: man benutzte nicht mehr nur Draht als Ausgangsmaterial für das Kaltwalzen, sondern nun auch Bleche, die zuvor ihrerseits heißgewalzt worden waren. Heute hat das Rohmaterial meist 1,5 bis 10 mm Dicke. Erster Schritt der modernen Weiterverarbeitung ist das Säubern und Beizen, das die Zunderschicht aus der Herstellung im Warmwalzwerk wegnimmt. Dann wird vorgewalzt, das heißt unter ständigem Kühlen und Schmieren wird das Blech auf eine bestimmte Dicke gebracht. So genannte Tandemstraßen schaffen es, in einem einzigen Durchlauf die Dicke des Bandes gleich um mehrere Stufen zu reduzieren.
Danach kommt gegebenenfalls noch ein Glühen und das Nachwalzen. Es schließen sich das Zuschneiden auf die gewünschte Breite, der Qualitätstest und die Oberflächenveredelung sowie das Härten an. Nun kann das fertige Kaltband durch Tiefziehen oder Stanzen seine endgültige Form bekommen. |
Im Museum lockt nichts den Besucher von Station zu Station |
Leider gelingt es dem Museum, das von einem Förderkreis der Branche betrieben wird, nicht, aus dem Thema Funken zu schlagen. Zwar sind etliche interessante Maschinen ausgestellt, genauso Dokumente aus der Sozialgeschichte und ebenfalls viele Beispiele für die ganze Bandbreite der Anwendungen. Aber die Exponate wirken beliebig und stehen einfach nur nebeneinander. Was fehlt ist ein Roter Faden, der den Besucher durch die Schau leitet und ihn von Station zu Station lockt. |
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Dennoch lohnt der Besuch auf der Hohenlimburg, nicht zuletzt des grandiosen Rundumblicks wegen. Achtung: der Fußweg vom Bahnhof ist richtig steil, wenn auch nicht wirklich weit. Für Autofahrer gibt es eine Straße. |
Deutsches Kaltwalzmuseum, Hohenlimburg |
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