home suche kontakt impressum
 

Sinnbild für Sicherheit und Hoffnung

Der Anker gehört zur Schifffahrt wie das Steuer und das Segel

Patentanker des Zerstörers „Bayern“, 2250 kg, im Vorhof des Bayerischen Armeemuseums in Ingolstadt.


Immer ist der Befehl „Anker lichten“ auf den Segelschiffen ein besonderer Moment bei einem Bootstörn. Denn damit löst sich das Gefährt von der Sicherheit in Landnähe, und es beginnt die Fahrt, vielleicht sogar eine große über mehrere Meere. Im Englischen heißt die Anweisung „Anchors aweigh“ und einer der schwungvollsten Märsche der US-Marine trägt diesen Titel.

Anker hängen meist außen am Schiff. Denn sie werden nicht geworfen, sondern einfach fallen gelassen. Betrachtet man sie genauer, fällt eins auf: selbst wo sie heute aus Eisen sind, erscheinen sie vergleichsweise klein, um eine ganzes Schiff zu halten.

Früher erzielten die Seeleute die sichere Verankerung durch das schiere Gewicht des Ankers. Meist ließ man einfach einen dicken Stein über Bord, der an einem Tau festgemacht war. Wie schwer er sein musste, war und ist von verschiedenen Faktoren abhängig: zum einen vom Tiefgang und von der Breite des Schiffsrumpfes, das heißt von der Fläche, an der die Wellen angreifen, zum anderen von der Stärke von Wind und Wellen.
Anker mit Armen und Fluken

Seit es Anker aus Eisen mit ihrer typischen Form mit Armen und schaufelförmigen Fluken gibt, sind die Dinge technisch etwas komplizierter. Denn seitdem liegt der Anker nicht mehr einfach nur auf dem Meeresboden auf, sondern gräbt sich mit seinen Enden in ihn ein.
Besondere Roll der Kette
Immer kommt der Kette eine besondere Rolle zu: Sie wirkt als zusätzliches Gewicht und hat zudem die Funktion einer Dämpfung der Kräfte. Die Faustregel heißt hier: die Kette sollte mindestens fünfmal die Wassertiefe am Ankerplatz lang sein; wenn schwerer Wellengang oder Sturm ansteht, erhöht sich dieses Verhältnis auf 1:10.

Steinblock als Anker für eine Boje. Hamburgisches Museum, Hamburg.









Wichtig ist, dass die Kette eine ganze Strecke auf dem Meeresboden aufliegt. Wenn nämlich die Wellen am Schiff zerren, heben sie die Kette ein Stück an, worauf sich das Schiff entsprechend vorwärts bewegt, bis die Kette aufgrund ihres Eigengewichts wieder niedersinkt. Diese Dämpfung ist wichtig, weil sonst die Kräfte direkt an den Fluken des Ankers ansetzen würden – es bestünde die Gefahr, dass das Eisen bricht und sich das Schiff losreißt.

In den Handbüchern für Segler und Schiffsleute wird darauf hingewiesen, dass Ankern so einfach nicht ist. Denn man muss einen Untergrund finden, in den sich der Anker eingraben kann, und das Schiff muss zudem geschützt vor Winden liegen. Auch ist eine Wache zu unterhalten, die die Dinge im Auge behält. Dafür ist eine Übernachtung in Sichtweite der Küste ein besonderes Erlebnis jeder Seefahrt – und dazu kommt dann noch das Ankerlichten am nächsten Morgen.

Das wiederum kann Schwierigkeiten machen. Wenn man Pech hat, hat sich das Eisen im Bewuchs auf dem Untergrund oder zwischen Felsbrocken verhakt. Manche Crew schickt dann ein Mitglied zum Tauchen, das am Anker die so genannte Tripleine festmacht. Mit der lässt sich der Anker entgegen der Zugrichtung der Kette meist befreien.
Stücke von 27,432 m

Das gelingt aber nicht immer, und für eine solche Situation haben Ankerketten eine besondere Vorrichtung: sie bestehen aus einzelnen Stücken von jeweils 27,432 m, die durch besondere Schäkel miteinander verbunden sind. An diesen lässt sich die Kette mit wenigen Handgriffen kappen – Anker und ein Teil der Kette bleiben dann auf den Meeresgrund, auf dass künftige Generationen spannende Zeugnisse alter Seefahrt finden. Wenigstens geht in einem solchen Fall nicht die ganze Kette verloren, die für große Kähne mitunter 250 Meter und mehr lang und entsprechend teuer ist.
Wirbelglied in der Kette
Die Teilung der Kette in Einzelstücke zu mehreren Gliedern ist auch deshalb notwendig, damit ihr Tonnengewicht transportierbar bleibt. Weitere sinnreiche Details einer Kette sind das Wirbelglied, um das herum sich das Schiff drehen kann, und die Stege in den Gliedern, die beim Hochziehen über einen Zahnkranz dafür sorgen, dass nicht Zugkraft verloren geht.
 
Anker und Steuermann sind Bestandteile jedes Denkmals der Schifffahrt.

Eine andere Art von Anker sind die Pilzanker, die etwa bei dauerhaft verankerten Kähnen wie den Feuerschiffen zum Einsatz kommen. Sie haben keine Armen und Fluken, sondern einen Kopf wie einen Pilz. Dieser wird mit den Wellen tief in den Untergrund eingespült und gibt dem Schiff dauerhaften Halt.

Im Hafen wird im Regelfall kein Anker geworfen. Hier werden die Schiffe am Kai festgezurrt. Geankert wird nur in Küstennähe oder an der Reede vor der Einfahrt zu einem Hafen. Auf offener See wird bestenfalls ein Treibanker ausgeworfen, der ein allzu weites Abdriften verhindert.

Eine große Rolle spielt der Anker in der Mythologie. Verstanden wird er im christlichen Glauben als Sinnbild der Sicherheit und Hoffnung. Für die Hoffung steht er, als er die göttliche Hilfe gegen die Stürme der Zeit veranschaulicht – der Glaube ist der Anker, der in den Hafen der Erlösung führt.
Anker und Tiefseekabel
Neuerdings aber gibt es auch Negativmeldungen über Anker. Immer wieder ist zu lesen, dass mit ihnen in Küstennähe Tiefseekabel aus dem Untergrund herausgerissen wurden.
Elektromotoren, Fassaden
und Uhrwerke

Übrigens: auch in Elektromotoren gibt es Anker, wo sie aus Weicheisen sind und die Wirkung des Magneten verstärken. Am Bau halten Anker die Fassadenverkleidung am Mauerwerk, und in mechanischen Uhren sorgt die Ankerhemmung für einen gleichmäßigen Gang des Räderwerks.
 
LINKS:

Ankertypen
Anker-Friedhof, Portugal