 Sammlung von unterschiedlichen Sensentypen im Deutschen Schmiedemuseum, Hagen.
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Es gibt kaum ein Werkzeug, das die Menschen über Jahrhunderte gleichzeitig so in Angst und Schrecken versetzt und ihnen so wertvolle Dienste geleistet hat: Die Sense und ihre kleinere Schwester, die Sichel, waren einerseits für Generationen unerlässlich, um Getreide zu ernten; andererseits wurden sie zum Symbol für Tod und mehr noch: für Zerstörung und Vernichtung, die der eine Mensch dem anderen antun kann.
In der griechischen Mythologie und ihrem Kuddelmuddel um Götter, Titanen und böse Ungeheuer stand eine Sichel gar am Anfang mehrerer Handlungsstränge: Gaia, die Mutter Erde, ließ damit Uranos entmannen, worauf aus dessen Blut allerlei Giganten entstanden und aus seinem Sperma Aphrodite.
Nicht nur den Sensenmann kennen und fürchten schon die Kinder. Mehr Gruseln noch erzeugen für Schüler die Geschichten von angeblichen Sichelwagen, die die Heerführer des Altertums in die Reihen ihrer Gegner fahren ließen. Noch Leonardo da Vinci entwarf solche Schreckensmaschinen, von denen man allerdings nicht weiß, ob sie auch tatsächlich für einen Einsatz oder nur fürs Gruselkabinett des Erfinders gedacht waren. |
| Sensen als Stichwaffen |
Historisch belegt allerdings ist, dass in den Bauernaufständen und im Dreißigjährigen Krieg vielerorts die Sensen zu Stichwaffen umgeschmiedet wurden. Die Obrigkeit reagierte auf diesen unerlaubten Waffenbesitz mit der Androhung der Todesstrafe, dies sowohl für den Schmied als auch für den Bauer. |
| VHS-Mähkurse sind beliebt |
Die Zeiten ändern sich, und so scheint heutzutage zwar nicht aller Umgang mit Sense und Sichel, aber wenigstens doch das Rasenmähen von Hand wieder in Mode zu kommen. Jedenfalls bieten zahlreiche Freilichtmuseen oder Volkshochschulen Mähkurse an. Wir warnen: nicht nur bei der Mahd in Kolonnen am steilen Hang kommt es leicht zu Verletzungen. Denn eine Sense ist eigentlich ein Teufelsinstrument. |
Große Wirkung der Klinge am langen Hebel
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Die besondere Wirksamkeit, die dieses Werkzeug etwa beim Ernten des Getreides hat, liegt darin, dass die Klinge an einem langen Hebel geführt wird. Der „Baum“, so der Fachausdruck, führt die volle Kraft aus der Drehung des Schnitters ins und durchs Grünzeug. Dieses legt sich, wenn alles richtig gemacht wurde, in einer geraden Linie fast wie bei einem Mähdrescher auf die Wiese.
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Stahl: gleichzeitig flexibel und hart |
An der Sense zeigt sich die unübertreffliche Qualität, die dem Material Stahl innewohnt: es ist einerseits hart genug, dass es auch durch dickere Strünke hindurchgeht, hat aber andererseits auch genügend Flexibilität, dass sich es nicht bei jedem Widerstand zersplittert. Eindrucksvoll kann man diese Dehnbarkeit erleben, wenn der Schnitter die Sense mal wieder in einen Maulwurfshügel haut.
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 Schmieden eines glühenden Sensenrohlings im Westfälischen Freilichtmusuem, Hagen.
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Mehr noch: es ist diese Flexibilität des Stahls, die erst das Schärfen nach jeder Mahd wieder möglich macht. Dabei stimmt der Ausdruck „eine Scharte auswetzen“ eigentlich nicht. Denn vor dem Wetzen, das eigentlich nur das letzte Schärfen der Klinge ist, muss sie gedengelt werden: dabei werden dem Eisen mit vielenvielen gefühlvollen Schlägen die Scharten ausgetrieben. Das geschieht auf einem besonders geformten Mini-Amboss, „Haarstock“ genannt.
Auf der Ebene der Atome verbirgt sich dahinter ein Vorgang, bei dem ganze Ketten von Molekülen verschoben werden. Besonderheit des Werkstoffs ist, dass er bei dieser Behandlung nicht nur nicht auseinander reißt, sondern dass er sich auch noch erneuert. |
| Wetzen |
Das Wetzen danach ist nur noch ein Hin- und Herstreichen mit einem Stein entlang der nun schon glatten Klinge, auf dass der Grat, der sich gebildet hat und der die Schneide stumpf sein lässt, abgetragen wird. |
| Auch Miraculix sichelte |
Vermutlich war die Sichel das erste Mähwerkzeug, das die Menschen erfanden, nachdem sie die Technik des Schmiedens in den Griff bekommen hatten. Mit ihr wurde nicht nur Laub von Bäumen oder Büschen als Futter für das Vieh geschnitten. Mit einer goldenen Variante stieg Miraculix, der Druide, in die Baumkronen, um dort Misteln für den Zaubertrank abzusäbeln. |
„Zain“ heißt der Rohling der Schneide
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Das Westfälische Freilichtmuseum in Hagen widmet sich gleich mehrfach dem Thema. Da gibt es Vorführungen, wie aus dem glühenden „Zain“, dem Rohling einer Schneide, mit einem mächtigen Hammer und Wasserkraft eine dünne Sense geschmiedet wird. |
Je nach Region unterschiedliche Sensentypen |
Dass dabei Sense nicht gleich Sense ist, kann man im Deutschen Schmiedemuseum ebenfalls im Freilichtmuseum erfahren. So wurden je nach Region unterschiedliche Typen bevorzugt: im Bergischen Land waren kleine, leichte und gewölbte Varianten gang und gäbe, im Flachland mit seinen weiten Flächen lange und schmale Sensen, in der Marschlandschaft schwerere Modelle, heißt es in der Ausstellung. |
Das Sauerland als Zentrum der Produktion |
Ein Zentrum der Produktion war das Sauerland. Von dessen Hammerschmieden aus gingen im 19. Jahrhundert die Produkte auf den Spuren der Auswanderer sogar nach Nord- und Südamerika. Transportiert wurden die Sensen in Fässern, die mit Stroh gepolstert waren. Das Verstauen möglichst vieler Stücke in einem Behälter war ein Kunststück für sich. Den Vertrieb über Land besorgten Hausierer. |
Markennamen bestimmten das Geschäft |
Alsbald hatten sich unter den Produzenten im Sauerland regelrechte Marken herausgebildet. Von da an schlugen die Hersteller ins noch glühende Metall ihr Firmenzeichen ein, so wie es die Steinmetzen seit Generationen mit ihren Steinen getan hatten. Allmählich kamen vergoldete Schriftzüge und kunstvoll gestaltete Aufkleber in Mode und auf die scharfen Klingen. |
| Ausdruck „alles Sense“ |
Woher der Ausdruck „alles Sense“ kommt, ist unklar. Zwei Erklärungen bietet Lutz Röhrich in seinem „Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten“: vielleicht gehe das Wort auf einen alten Ruf der Schnitter zurück, der zur Pause rief; vielleicht sei die typische Bewegung der Schnitter übertragen worden auf die bekannte Geste des Ablehnens oder Wegwischens. |
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Westfälisches Freilichtmuseum Hagen
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Eine historische Sensenschmiede kann in Leverkusen Schlehbusch besucht werden.
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In Achern unweit Baden-Baden gibt es ein Sensenmuseum, ebenfalls im österreichischen Scharnstein.
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Links:
Dengeln Kriegssense
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