Eine der großen Attraktionen für Berlin-Besucher ist der Reichstag mit der Kuppel. Fotos: Wolfgang Werwie
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(Oktober 2008) Erst im zweiten Anlauf kam nach dem Mauerfall das halbe Ei als Kuppel auf den Reichstag, inzwischen aber hat es sich zu einer der großen Attraktionen Berlins gemausert. Das beweisen die Besucherströme, die sich täglich vor dem Gebäude anstellen. Gleich eine Empfehlung dazu: Kommen Sie möglichst früh, wenn der Zugang täglich um 8 Uhr geöffnet wird, sonst müssen Sie bei schönem Wetter mit zwei Stunden Wartezeit rechnen. Der letzte Einlass ist abends um 22 Uhr.
Ursprünglich hatte der britische Stararchitekt Sir Norman Foster eine Art Tankstellendach geplant, als er mit seinen Plänen für den Umbau des alten Reichstags zum neuen Parlamentssitz den internationalen Wettbewerb gewann. In den Überarbeitungen kam wieder eine Kuppel aufs Dach. Allerdings würde sie anders als das Original sein: zum einen sollte sie begehbar gestaltet werden, zum anderen neben dem architektonischen Effekt auch echte Funktionen für das Haus darunter übernehmen. |
Wenig bekannte Episode um die Kuppel
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Fest stand jedoch von Anfang an, dass sie wieder als Stahlkonstruktion errichtet würde, wie schon das Original. Dabei hatte sich diese Bauweise ehemals erst nach langem Streit durchgesetzt. Der Historiker Michael S. Cullen hat die wenig bekannte Episode in seinem Buch „Der Reichstag im Spannungsfeld deutscher Geschichte“ (Bebra Verlag) nachgezeichnet.
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| Einsprüche gegen Wallots Planungen |
Der Architekt Paul Wallot hatte eine hohe Kuppel über der Gebäudemitte vorgesehen. Sie sollte genau über den Sitzungssaal liegen und in Backstein ausgeführt sein. Dagegen gab es Einsprüche seitens der Akademie des Bauwesens und des Kaisers, dies wegen der befürchteten Verschattung des Sitzungssaals und auch aus gestalterischen Gründen. |
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 Die Besucher können dem Parlament gewissermaßen aufs Dach steigen.
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Als Folge sollte die Kuppel von der Gebäudemitte über die westliche Eingangshalle verschoben werden. Das wiederum wollte Wallot nicht. Das Gebäude würde „wie ein ausgebranntes Schloss“ aussehen, warnte er.
Nach etlichen Bemühungen beim alten Wilhelm I. über Friedrich III. bis zu Wilhelm II. bekam Wallot schließlich das Okay. Vielleicht auch, dass der neue Kaiser nur scheinbar nachgab: Zu jenem Zeitpunkt war das Gebäude nämlich schon bis auf Dachhöhe emporgewachsen, und die Mauern des Sitzungssaales würden nie die neu Konstruktion tragen können, so viel stand fest. Viel spekuliert wird in der Literatur darüber, ob dem Kaiser die Kuppel einfach deshalb nicht gefiel, weil sie höher als die auf seinem Schloss ausfallen würde.
Michael Cullen jedenfalls hebt hervor, dass von Wallot verlangt wurde, die technische Machbarkeit der Konstruktion nachzuweisen. Die Berechnungen, die der Architekt von 1889 an durchführen ließ, führten zu einem für ihn vernichtenden Ergebnis. |
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Rippen-Konstruktion nach Art der Glaspaläste |
Schließlich wandte er sich an den Eisenbahn-Ingenieur Hermann Zimmermann. Der verringerte das Gewicht der Kuppel, indem er das Material Stein durch Glas auf einer Stahlkonstruktion ersetzte und zudem den Aufbau rund zehn Meter niedriger als ursprünglich geplant machte. Auch wenn solche Rippen-Konstruktionen seit dem Glaspalast der Londoner Weltausstellung von 1851 üblich geworden waren, stellten sie immer noch etwas Besonderes dar. |
| Fosters ursprünglicher Entwurf mit einer Art Tankstellendach |
100 Jahre später, als 1995 der Umbau nach den Plänen von Foster begann, waren solche Ingenieursleistungen state of the art. Dafür aber gab es zusätzliche Anforderungen an den Architekten: die Kuppel sollte zur Erhellung des Sitzungssaals mit Tageslicht dienen und, das war dann die großartige Idee, Besucher sollten die Möglichkeit bekommen, dem Parlament gewissermaßen aufs Dach zu steigen. |
 Der futuristische Lichtkonus reicht in den Plenarsaal hinein.
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Errichtet wurde die neue Konstruktion aus 24 gebogenen Stahlrippen, die, mit horizontal verlaufenden Ringen drumherum biegesteif verschweißt. Zu tragen sind 700 t Metallgewicht und dazu noch die Last von rund 3000 m² Sicherheitsglas. Entstanden ist so eine Halle in faszinierender Offenheit, aus der heraus der Besucher ungehinderten Blick in jede Richtung hat.
Hinzu kommt der Eindruck völliger Leichtigkeit, wenn der Besucher über die beiden gegenläufigen Rampen mit Tartanbelag zur Aussichtsplattform hinaufgeht: alles dort oben scheint zu schweben, dabei hängt alles an der Stahlkonstruktion.
Futuristisch ist der Lichtkonus, der von der Aussichtsplattform nach unten in den Sitzungssaal zeigt. Er ist oben zwölfeckig und trägt 30 Reihen von je zwölf Spiegeln. Unten im Sitzungssaal, in den er etwa neun Meter tief hineinreicht, ist er kreisrund. |
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| Der Licht-Konus hat wichtige Funktionen für das Gebäude |
Dass er nicht nur ein gestalterischer Akzent, sondern auch ein funktionales Gebilde ist, beweist wiederum der Schirm unter dem Glas-Ei, der mit dem Sonnenstand bewegt werden kann und dann die Lichtwirkung der Spiegel mindert. Nichts zu sehen ist von der Funktion des Konus’ für die Belüftung im Haus: im Inneren dreht sich ein Ventilator mit immerhin zwei Metern Flügeldurchmesser und oben arbeitet eine Wärmerückgewinnungsanlage. Die Abluft aus dem Haus entweicht schließlich über die kreisrunde Öffnung im Glas. |
| 47 m über dem Tiergarten |
Der Scheitel der Kuppel liegt bei 47 m über dem Tiergarten. Wallot hatte für seine Kuppel einschließlich Türmchen obendrauf ehemals 85 m vorgesehen, realisiert worden waren nach dem langen Palaver dann gut 74 m in Stahl und Glas. |
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Übrigens: Die Kuppel des Schlosses, für das Baubeginn im Jahr 2010 sein könnte, lag bei 67 m Höhe. |
http://www.bundestag.de/besuche/kuppel.html |
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