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Wie kaum ein anderer Alltagsgegenstand kann eine Kette Gelegenheit zum Philosophieren geben. Denn bei ihr ist das Ganze mehr als die Summe der Einzelteile, gleichzeitig aber auch immer nur so stark wie das schwächste Glied. Gelegenheit zum Nachdenken gibt auch die Frage, wie die einzelnen Glieder dieses sehr festen und gleichzeitig dennoch beweglichen Verbunds überhaupt ineinander kommen. Die Antwort darauf findet man im Kettenschmiedemuseum in Fröndenberg an der Ruhr. |
| Anfangs ein gerades Stück Eisen |
Der Trick bei der Herstellung besteht darin, dass ein Kettenglied anfangs nur ein gerades Stück Eisen ist, das im ersten Schritt auf dem Amboss in eine U-Form gebracht wird. Diese so genannte Pinne wird danach in weiteren Schritten in sich geschlossen. |
 Aus der Pinne wird das Kettenglied. |
Das geschieht mit Feuerschweißen. Banal formuliert heißt das: Eisenstücke werden heiß gemacht und übereinander gelegt, dann wird so lange mit dem Hammer draufgeschlagen, bis sich ihre innere Molekülstruktur verändert hat und sie zusammengeschmiedet sind.
Das Museum schildert die einzelnen Schritte anschaulich und vergisst nicht zu erwähnen, dass dafür viel profundes Knowhow notwendig ist: rohe Gewalt zum Beispiel würde die Metallteile nur zerbrechen, außerdem muss der Zunder penibel entfernt werden, weil Verschmutzungen spätere Schwachstellen sind, schließlich braucht es eine genaue Kenntnis um die Weißglut bei 1200 bis 1300 Grad. |
| Zauberwort Qualitätskontrolle |
Besonderes Augenmerk schenkt die Ausstellung der Qualitätskontrolle. Dass sie beherrscht wurde, hatte wesentlich zum weltweiten Renommee der ehemaligen Industrie im Umkreis um Fröndenberg beigetragen. „Jede Kettenprüfung war, besonders, wenn eigens dazu ein Prüfungsbeamter bestellt wurde, ein höchst spannender Augenblick“, wird dazu im Museum gesagt. |
| Zentrum der Kettenherstellung |
Schon lange vor der Industrialisierung waren im märkischen Sauerland Ketten hergestellt worden. Neben Fröndenberg waren Schwerpunkte das Möhnetal bei Sichtigvor und Mülheim sowie das Röhrtal in der Nähe von Sundern, wie es auf der Webpage des Museums heißt. „Typisch war für diesen Produktionszweig bis ins 20. Jahrhundert hinein die Mischung aus Fabrikproduktion und Heimarbeit“, geht es weiter im Text, „im Möhnetal gab es neben einigen Arbeitern, die das ganze Jahr in der Fabrik oder zu Hause schmiedeten, zahlreiche kleine Landbesitzer und Bauern, die dem Gewerbe überwiegend in der schlechten Jahreszeit nachgingen.“ |
 Ketten finden viele Verwendungen.
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Das Museum entstand 1999 aus einer Initiative geschichtsbewusster Bürger. Es hat seinen Sitz in einem ehemaligen Magazingebäude der Papierfabrik Himmelmann. An sie erinnert der nebenan gelegene „Fröndenberger Trichter“.
Kernpunkt des Museums ist das Schmiedefeuer und eine Transmissionsanlage aus dem Jahre 1910. Sie ist ein Originalstück aus einer ehemaligen Kettenfabrik. Die übrigen Maschinen wurden in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen. Sie sind restauriert und funktionsfähig.
Die weltweit älteste historisch belegte Kette stammt aus der Zeit um 1000 v. Chr. und wurde bei Ninive im heutigen Irak gefunden. Schon früh war das Prinzip der miteinander verknüpften Glieder für Schmuckstücke verwendet worden. Als Übertragungsmedium für Antriebe ist es besonders effektiv, weil die Kette damit über einen Zahnkranz laufen kann. Die bekanntesten Beispiele dafür sind Fahrrad und Motorrad. |
Ankerketten sind eine Wissenschaft für sich |
Ankerketten für Schiffe sind eine Wissenschaft für sich. Ihre großen Varianten sind mit einem Quersteg verstärkt. Sie haben in regelmäßigen Abständen besondere Teile, an denen der Verbund mit wenigen Handgriffen gelöst werden kann. Wenn nämlich eine Kette nicht mehr eingeholt werden kann, löst man sie an diesen Sollbruchstellen und verliert damit wenigstens jenen Teil nicht, der schon an Bord ist. Bei den Tonnengewichten großer Ankerketten versinkt so weniger Geld in der Tiefe. |
 Dekoration im Museum. |
Einen Aspekt wollen wir hier nicht verschweigen: in der Menschheitsgeschichte ist mit der Kette auch unvorstellbares Leiden verbunden. Das beginnt mit Prometheus, der für die Menschen das Feuer gestohlen hat und zur Strafe an den Berg gekettet wird. Die Sklaverei wäre ohne Ketten nicht möglich gewesen, wobei die Täter hier die sprichwörtliche unglückliche Verkettung auf ihre Art einsetzten: indem sie die Opfer in Eisen gelegt marschieren ließen, war jeder Fluchtversuch ausgeschlossen und jeder Fehltritt eines einzelnen für alle anderen quälend.
Eine Kette aus Stahl spielte bei der Vermessung Indiens eine wichtige Rolle. 1802 startete der Brite William Lambton das Projekt von der Hafenstadt Madras aus, indem er eine 100 Fuß lange Gliederfolge 400mal aneinanderlegte. Die Genauigkeit seiner Arbeit wird noch heute bewundert. Vollendet wurde das Projekt übrigens von seinem Assistenten, George Everest. |
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| Die Öffnungszeiten des Kettenschmiedemuseums sind von April bis Oktober samstags und sonntags von 10 bis 16 Uhr. An jedem 1. Sonntag im Monat wird am Schmiedefeuer gearbeitet. |
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